Wenn Gott anders reagiert als erwartet – Harrison Conley

Denkst du auch manchmal, du hättest Gott enttäuscht? Selbst wenn du dich so fühlst, eines steht trotzdem fest: Gott reagiert ganz anders, als du es erwartest. Seine Liebe geht dir nach und wirbt um dich und stellt dich wieder her. Gott möchte deine Hoffnungen, Träume und Wertvorstellungen erneuern, alles das, was du vielleicht schon längst aufgegeben hast. Lass dich auf Gottes Liebe ein – gerade dann, wenn du es am wenigsten erwartest.

Predigtmanuskript

Hallo, ich bin Bayless Conley und ich freue mich sehr, dass Sie zuschauen. Heute habe ich etwas ganz Besonderes für Sie. In dieser Sendung wird nämlich mein ältester Sohn Harrison die Predigt halten. Sie heißt: „Wenn Gott anders reagiert als erwartet.“ Er hat sie hier bei uns in der Cottonwood Church gehalten und sie war so gut und hat unsere Gemeinde so sehr ermutigt, dass wir sie Ihnen gern zugänglich machen möchten. Nehmen Sie Ihre Bibel zur Hand, wenn Sie eine haben, und hören wir auf die Predigt von Harrison Conley: „Wenn Gott anders reagiert als erwartet.“

Während Sie Ihre Bibel in Lukas 5 aufschlagen, erzähle ich Ihnen die Geschichte und den Zusammenhang, in dem dieser Text steht. Stellen Sie sich vor, Sie seien ein junger Mann, der in Israel im ersten Jahrhundert aufwächst. Während Sie älter und reifer werden, träumen Sie davon, dass Sie eines Tages ein Diener Gottes sein werden. Sie träumen, dass Sie von einem Rabbi ausgewählt werden, der Sie ausbildet. Sie werden mit ihm unterwegs sein und bei ihm ein Praktikum machen. Und eines Tages träumen Sie davon, selbst ein Rabbi oder ein religiöser Leiter in Ihrem Ort zu sein. Das war der Traum jedes jüdischen Jungen im ersten Jahrhundert. Aber nun stellen Sie sich vor, dass dieser Traum aus irgendwelchen Gründen nicht verwirklicht werden kann. Ihr Traum wird nicht wahr. Kein Rabbi ist gekommen und hat Sie ausgewählt, um Sie auszubilden und in den Dienst zu schicken. Was tun Sie also? Nun, Sie wählen den sicheren Weg und steigen ins Familiengeschäft ein. In diesem Fall ist das die Fischerei. Sie werden also Berufsfischer. Es ist nicht ideal, aber Sie merken bald, dass Sie Talent dafür haben. Sie sind recht gut darin. Sie haben eine Leidenschaft entdeckt, die Ihren wachsenden Fähigkeiten entspricht. So arbeiten Sie fleißig einige Jahre und Ihr Geschäft beginnt zu wachsen und zu florieren. Ihr Bruder steigt auch mit ein. Und ein paar Ihrer besten Freunde werden Ihre Geschäftspartner. Alles läuft wie am Schnürchen. Doch eines Tages, als Sie gerade bei der Arbeit sind, Ihr Netz im See auswerfen und Fische fangen wollen, kommt auf einmal ganz unverhofft ein Mann auf Sie zu. Als er näherkommt, erkennen Sie ihn. Es ist so ein neuer Rabbi. Er ist erst vor Kurzem auf der Bildfläche erschienen, aber er hat sich bereits einen Namen gemacht. Sie haben ihn schon ein, zweimal predigen hören. Dieser Mann kommt nun auf Sie zu und fängt ein Gespräch mit Ihnen an. Und während er redet, wird Ihnen auf einmal bewusst, dass er anders redet als jeder andere, den Sie bisher gehört haben. Er spricht mit Autorität und er spricht mit Gnade. Jedes Wort hallt in Ihrem Herzen wie ein Erdbeben wider. Es fühlt sich beinahe so an, als spräche er aus der Perspektive des Autors Ihrer eigenen Lebensgeschichte heraus mit Ihnen. Und am Ende des Gesprächs sagt er drei Worte. Er spricht eine Einladung aus. Er sagt: „Folge mir nach.“ Und bevor Sie überhaupt darüber nachgedacht haben, haben Sie schon Ihre Netze fallen gelassen und folgen diesem Rabbi nach. Sie sind noch keine 50 Schritte gegangen, da hält er all Ihre Freunde und Geschäftspartner an und spricht die gleiche Einladung aus. Er sagt: „Folgt mir nach.“ Also lassen Sie und Ihre Freunde alles zurück und folgen diesem Rabbi nach. Es ist aufregend, denn er wandert durch Dörfer und Städte. Er predigt und lehrt das Wort Gottes und er heilt Menschen. Er treibt sogar Dämonen aus. Es ist aufregend! Aber das Ganze überfordert Sie auch ein bisschen. Und bald taucht in Ihrem Kopf der Gedanke daran auf, was Sie alles zurückgelassen haben. Sie fangen an, über Ihre Familie nachzudenken und darüber, was Sie investiert haben. Sie haben mehrere Boote und eine Fischerausrüstung gekauft. Sie überlegen sich: „Was soll ich verdienen, wenn ich mit diesem Rabbi umherziehe? Wie soll ich meine Rechnungen bezahlen?“ Und so landen Sie und Ihre Freunde irgendwie wieder zu Hause bei Ihrem Familienunternehmen, bei dem, das Ihnen vertraut ist und das Sie kennen. Einige Zeit vergeht und ehe Sie sich versehen, geht das Leben wieder seinen alten Gang. Sie leben wieder im alten Trott und alles ist bestens. Doch gerade als alles läuft, wie es soll, wird Ihre verwitwete Schwiegermutter, die mit Ihnen in Ihrem Haus lebt, krank und bekommt Fieber. Zuerst denken Sie, dass das Fieber wieder weggehen wird. Aber es ist kein normales Fieber. Sie wird immer schwächer und liegt nur noch im Bett. Schließlich ist sie bettlägerig. Kein Arzt weiß Rat. Sie wissen nicht, was Sie tun sollen. Da klopft es auf einmal an der Tür. Es ist Ihr Bruder, und er ruft ganz aufgeregt: „Hey, hört mal zu! Dieser Rabbi ist hier! Er ist in der Stadt! Er predigt in der Synagoge. Jemand hat ihm von deiner Schwiegermutter erzählt, und wenn er mit Predigen fertig ist, kommt er hierher zu deinem Haus!“ Und tatsächlich: Keine Stunde später klopft es an der Tür. Der Rabbi tritt ein. Aber er ist nicht allein. Die ganze Stadt ist mitgekommen! Er tritt ein und sieht die Situation. Er beugt sich über Ihre Schwiegermutter und befiehlt dem Fieber, von ihr zu weichen – und das Fieber verschwindet augenblicklich. Sie steht auf und fühlt sich so gut, dass sie sogar in die Küche geht. Sie fängt an zu kochen und bedient Sie. An diesem Abend findet vor Ihrer Haustür ein Heilungsgottesdienst statt. Die ganze Stadt ist da und hat jeden hergebracht, der krank oder von Dämonen besessen ist. Der Rabbi geht vor die Tür und berührt und heilt und treibt Dämonen aus. Es ist ein unglaublicher Abend! Aber es wird spät und Mitternacht ist schon lange vorbei. Sie sind müde und nicken irgendwann ein. Als Sie am nächsten Morgen erwachen, merken Sie, dass der Rabbi fort ist. Also bilden Sie eine Art Suchtrupp, denn Sie sagen sich: „Der gestrige Abend war toll! Diese Heilungen müssen weitergehen!“ Sie gehen los und finden den Rabbi schließlich. Er ist ganz allein an einem einsamen Ort und… er betet. Sie gehen zu ihm hin und sagen: „Hey! Alle suchen  nach dir. Du musst zurückkommen. Wir müssen das mit den Heilungen wiederholen.“ Aber der Rabbi sagt: „Nein. Ich muss weiterziehen. Ich muss in die umliegenden Dörfer und Städte gehen. Ich muss weiter predigen. Aber weißt du was? Du solltest mitkommen.“ Sie denken kurz darüber nach, aber dann lehnen Sie das Angebot dankend ab und sagen: „Nein, ich kann nicht. Ich habe im Moment hier zu Hause wirklich viel zu tun.“ Und damit geht der Rabbi weg und beginnt seine Wanderung und Sie gehen zurück zu Ihren Netzen. Ein paar Wochen vergehen. Und dann finden wir uns im Lukasevangelium, Kapitel 5, bei Vers 1 wieder. Ich lese aus der Elberfelder Bibel. Da steht:

Lukas 5:1-5
„Es geschah aber, als die Volksmenge auf ihn andrängte…“ – „Er“ ist Jesus. Er ist der Rabbi, falls Sie es noch nicht gemerkt haben. „… als die Volksmenge auf ihn andrängte, um das Wort Gottes zu hören, dass er an dem See Genezareth stand.“ – Das ist der große See in Galiläa. – „Und er sah zwei Boote am See liegen; die Fischer aber waren aus ihnen ausgestiegen und wuschen die Netze. Er aber stieg in eins der Boote, das Simon gehörte:

Simon ist übrigens der Mann, in den wir uns vorhin versucht haben hinzuversetzen. Er ist die Hauptfigur in dieser Geschichte. Er steht für Sie und für mich. Jesus steigt also in das Boot, das Simon gehört, und sagt zu ihm:

„Fahre ein Stück vom Land weg.“ Dann setzt er sich hin und lehrt die Leute vom Boot aus. „Als er aber aufhörte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus auf die Tiefe, und lasst eure Netze zu einem Fang hinab! Und Simon antwortete und sprach zu ihm: Meister…“

Das Wort „Meister“ hier ist interessant. Wir finden es nur hier im Lukasevangelium. Auf Griechisch ist es eine Bezeichnung für einen Vorgesetzten. In diesem Fall bedeutet es wörtlich „Kommandant“, also „Kapitän des Bootes“. Petrus übergibt Jesus die Führung. Er sagt: Meister, Kapitän, „wir haben uns die ganze Nacht hindurch bemüht und nichts gefangen, aber auf dein Wort will ich die Netze hinablassen.

Lukas 5:6-11
Und als sie dies getan hatten, umschlossen sie eine große Menge Fische, und ihre Netze rissen. Und sie winkten ihren Gefährten in dem anderen Boot, dass sie kämen und ihnen hülfen; und sie kamen, und sie füllten beide Boote, so dass sie zu sinken drohten. Als aber Simon Petrus es sah, fiel er zu den Knien Jesu nieder und sprach: Geh von mir hinaus! Denn ich bin ein sündiger Mensch, Herr. Denn Entsetzen hatte ihn erfasst und alle, die bei ihm waren, über den Fischfang, den sie getan hatten; ebenso aber auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, die Gefährten von Simon waren. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. Und als sie die Boote ans Land gebracht hatten, verließen sie alles und folgten ihm nach.“

Aus dieser Geschichte möchte ich ein paar Punkte herausgreifen, die mir aufgefallen sind. Lassen Sie Ihre Fantasie noch einmal spielen und versuchen Sie, sich kurz in Simon Petrus hineinzuversetzen. Sie und Ihre Kollegen waren fischen. Sie haben die ganze Nacht schwer gearbeitet, aber ohne Erfolg. Sie haben kein Glück. Die Fische beißen nicht an und kein Schwarm taucht auf. Sie haben jeden Trick angewandt, den Sie kennen, aber nichts hat funktioniert. Jetzt sind Sie müde, enttäuscht und niedergeschlagen und wollen nur noch nach Hause. In diesem Moment kommt Jesus zu Ihnen. Jesus ist der Rabbi, den Sie zweimal verlassen haben, um fischen zu gehen. Und er kommt nicht nur zu Ihnen – er steigt auch noch in Ihr Boot. Historiker sagen, dass zu dieser Zeit, im ersten Jahrhundert, jeden Tag um die 200 Boote am See Genezareth lagen. Von allen 200 Booten am See sucht sich Jesus also genau Ihres aus und steigt hinein. Das ist kein Zufall. Welche Gedanken sind Petrus in diesem Moment wohl durch den Kopf gegangen? Stellen Sie sich einmal vor, wie es für Petrus gewesen sein muss. Ich hätte an seiner Stelle gedacht: „Ernsthaft? Gerade heute? Musst du denn wirklich gerade heute auftauchen, Jesus? Ich habe deine Einladung abgelehnt, dir nachzufolgen und mit dir zu arbeiten, weil ich gedacht habe, Fischen wäre für mich die bessere Wahl. Und dann kommst du genau an dem Tag vorbei, an dem die Netze leer sind! Wenn du gestern gekommen wärst, wären die Netze voll gewesen. Aber natürlich kommst du heute, an dem Tag, an dem ich nichts vorzuweisen habe. Ich wollte dir beweisen, dass es richtig war, dich zu verlassen, und du kommst gerade heute vorbei – an dem Tag, an dem ich versagt habe. Großartig, Jesus! Genau heute kommst du her und steigst in mein Boot. Klasse.“

Hatten Sie schon einmal das Gefühl, Sie hätten jemanden im Stich gelassen? Ich denke, die meisten von uns haben das schon erlebt, weil wir nicht getan haben, was von uns erwartet wurde. Und wenn wir der betreffenden Person dann das nächste Mal begegnen, erwarten wir, dass sie darauf reagiert und es uns irgendwie heimzahlt.

Vor Kurzem fragte mich ein Freund, ob ich ihm beim Umzug helfen könnte. Ich wollte ihm sehr gern helfen. Wir vereinbarten einen Tag und einen Zeitpunkt und all das. Aber am Abend vorher hatte ich es natürlich komplett vergessen und vergaß, meinen Wecker zu stellen. Am nächsten Morgen wachte ich auf und ging meinem normalen Tagesablauf nach und plötzlich fiel es mir ein: „Mist! Das war doch heute!“ Aber als mir das einfiel, war der Umzug schon erledigt. Ich kannte meinen Freund und wusste, dass es bei unserer nächsten Begegnung nicht angenehm für mich werden würde. Ich erwartete, dass er ein paar sarkastische Kommentare machen und es mir immer wieder vorhalten würde. Ich weiß nicht, ob Sie das schon einmal erlebt haben: Aufgrund dessen, was wir getan haben, erwarten wir, dass der andere auf eine bestimmte Weise reagiert. Ich habe Sie das gefragt, weil Petrus sich in diesem Moment genauso gefühlt haben muss. Versuchen Sie sich in Petrus hineinzuversetzen. Ich an seiner Stelle hätte mich innerlich auf diese unangenehme Begegnung vorbereitet. Ich hätte erwartet, dass Jesus den Kopf über mich schüttelt und ein paar sarkastische Kommentare und schneidenden Bemerkungen macht, weil ich ihn verlassen habe. Ich würde erwarten, dass er Dinge sagt wie: „Na, das Fischerleben läuft also bestens, was? Oh, die Netze sind leer. Schade aber auch. Wie konnte das nur passieren? Tja, wenn du mit mir gegangen wärst…“ So etwas hätte ich erwartet. Die meisten von uns kennen diese Situation. Wir wissen, wie es sich anfühlt, jemanden im Stich gelassen zu haben. Aber gehen wir noch einen Schritt weiter. Hatten Sie schon einmal das Gefühl, Gott im Stich gelassen zu haben? Ich will hier nicht darüber diskutieren, ob wir Gott überhaupt im Stich lassen können. Eigentlich können wir das nicht. Aber hatten Sie schon einmal das Gefühl, Gott im Stich gelassen zu haben? Ich denke, dass Petrus genau dieses Gefühl hatte. Mir ging es auch so, als ich Jesus eine Zeit lang nachgefolgt war, ihn dann aber wieder verlassen habe. Vielleicht haben Sie auch Seine leise Stimme und Seinen Ruf gehört, sind Ihm aber nicht gefolgt, weil es Ihnen vernünftiger schien, den sicheren Weg zu wählen. Oder vielleicht haben Sie etwas getan, von dem Sie wussten, dass es falsch ist. Sie wussten es eigentlich besser, aber Sie haben es trotzdem getan. In diesem Moment hatten Sie das Gefühl, Gott im Stich gelassen zu haben. Und dann haben Sie erwartet, dass Gott es Ihnen auf eine bestimmte Art und Weise zurückzahlt. Vielleicht dachten Sie, dass Gott Ihnen Sein Wohlwollen entzieht, dass Er zulässt, dass Ihnen etwas Schlimmes passiert, dass Er Sie bestraft oder dass Er Sie dazu bringen will, sich zu ändern oder zu entschuldigen.

Falls Sie erst jetzt zugeschaltet haben, haben Sie vielleicht bemerkt, dass nicht ich derjenige bin, der heute predigt. Es ist mein ältester Sohn Harrison. Er hat in unserer Gemeinde eine so ermutigende und aufbauende Predigt gehalten, dass ich fand, dass wir sie unbedingt auch für Sie zugänglich machen sollten. Wir werden gleich wieder zu der Predigt zurückkehren. Ich wollte Ihnen nur kurz sagen, wer das ist und wo er predigt, falls Sie den Anfang nicht gesehen haben. Also: Das ist Harrison Conley, der in der Cottonwood Church predigt. Der Titel der Predigt heißt: „Wenn Gott anders reagiert als erwartet.“ Kehren wir also zurück zu Harrison und zu seiner Predigt.

Vor ein paar Jahren habe ich in Oklahoma City gepredigt. Nach dem Gottesdienst kamen ein paar Teenager zu mir. Ich hatte in dem Gottesdienst über die Liebe Gottes gesprochen. Sie kamen zu mir und einer der Teenager sagte, seine Schwester sei krank und die Ärzte wüssten nicht mehr weiter. Er und seine Schwester waren überzeugt davon, dass Gott die Krankheit geschickt und zugelassen hatte, weil sie vorher etwas falsch gemacht hatten. Ein anderes Mädchen kam zu mir und weinte. Sie hatte gerade eine Fehlgeburt gehabt und sagte zu mir: „Harrison, ich habe das Gefühl, dass Gott mich bestraft. Ich habe mit meinem Freund geschlafen. Ich weiß, dass ich das nicht hätte tun sollen. Ich bin schwanger geworden und jetzt habe ich das Gefühl, dass Gott mich bestrafen will. Er bestraft mich mit dieser Fehlgeburt, weil ich etwas Falsches gemacht habe.“ In diesem Moment konnte ich sie trösten und ihr helfen, ihre Wahrnehmung und ihre Sicht auf die Liebe Gottes zu verändern. Aber oft erwarten wir, dass Gott auf eine bestimmte Art und Weise reagiert, wenn wir denken, dass wir Ihn im Stich gelassen haben. Gehen wir noch einmal zurück zu unserem Bibeltext. Ich bin sicher, dass Petrus etwas Ähnliches von Jesus erwartet hat – vielleicht beleidigtes Schweigen, vielleicht auch Vorwürfe. Aber als es schließlich so weit ist und sie sich begegnen, erlebt er etwas völlig Unerwartetes: Er bekommt einen riesengroßen Fang geschenkt. In dieser Geschichte lehrt Jesus Petrus etwas über die Größe von Gottes Liebe. Jesus zeigt Petrus und uns, was wir von Gottes Liebe erwarten können. Und in den folgenden Minuten möchte ich Ihnen ein paar Gedanken dazu nennen, was Sie und ich von Gottes Liebe erwarten können. Ich muss mich beeilen, weil ich mehr Gedanken als Zeit habe. Wir werden uns so viele davon anschauen wie möglich. Hier ist der erste:

Sie dürfen damit rechnen, dass Gottes Liebe Ihnen folgt. Gottes Liebe folgt Ihnen. Ich würde es so formulieren: Sie folgt uns in all unseren Unternehmungen, auch wenn diese nicht in Jesus verankert sind. Im Fall von Petrus war seine Unternehmung das Fischen. Das war seine Arbeit. Seine Identität gründete sich auf das Fischen. Mit dem Fischen, mit seiner Arbeit, wollte Petrus Wohlstand, Sicherheit und einen Sinn im Leben finden. Daran ist an sich nichts Schlechtes. Es sind keine schlechten Ziele. Gott hat nichts gegen Wohlstand, Sicherheit und einen Sinn im Leben. Ganz und gar nicht. Aber Er hat etwas dagegen, wenn diese Ziele den Platz von Jesus einnehmen und nicht Ihm untergeordnet sind. Ich weiß nicht, wie es bei Ihnen ist, aber ich habe mich da schon oft schuldig gemacht. Ich hatte viele Ziele gehabt, die ich nicht Jesus untergeordnet habe. Aber die gute Nachricht ist, dass uns Seine Liebe trotzdem folgen wird, auch wenn das, was wir tun, nicht in ihm verankert ist. Um das praktisch werden zu lassen, schauen wir uns noch einmal die Geschichte an. Wer kommt zu wem? Steht Petrus auf und geht zum Tempel, um Jesus zu suchen? Nein. Jesus kommt zu Petrus. Er kommt zum See und steigt in das Boot von Petrus. Er folgt Petrus. Überlegen Sie sich das einmal. Ich möchte Ihnen heute sagen, dass Gott immer da ist und dass Seine Liebe Ihnen folgt, was auch immer Sie gerade tun und wo Sie es tun. Als ich klein war, hörten wir oft ein Lied, das hieß: „Gott ist da.“ Es ging so: „Ob im Bauch eines Wals oder in einer Gefängniszelle – Gott ist da.“

Vielleicht sind Sie gerade dabei, etwas zu tun, das Sie für etwas Gutes halten; aber vielleicht tun Sie auch gerade Dinge, von denen Sie wissen, dass sie falsch sind. Ganz gleich, was Sie gerade unternehmen – Gottes Liebe ist da. Sie folgt Ihnen. Selbst wenn Sie sündigen und das Gefühl haben, sich komplett disqualifiziert zu haben, ist Gott da. Auch wenn Sie sich schämen und unsicher sind, ist Gottes Liebe da. Sie ist Ihnen bis hierhin gefolgt. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich habe in meinem Leben festgestellt, dass Gott stets dort am meisten gegenwärtig ist, wohin wir vor Ihm fliehen wollten. Gottes Liebe ist unnachgiebig! Sie folgt uns. Sie folgt uns bis auf die höchsten Berge und bis hinab ins Tal der Todesschatten. Psalm 23: „Deine Güte, deine Gnade und deine Liebe werden mir folgen alle Tage meines Lebens.“ Gott folgt uns mit Seiner Liebe, weil sie uns zeigen soll, dass unsere Unternehmungen im Leben ohne Ihn leer sind. Sie sind leer wie das Fischernetz von Petrus. Die Liebe Gottes taucht mitten in unserem Leben auf. Übrigens: Ich sage immer „die Liebe Gottes“. Diese Liebe ist keine kosmische Theorie und kein abstraktes Konzept. Gottes Liebe ist keine Theorie. Sie ist kein Konzept. Sie ist eine Person und ihr Name ist Jesus. Er ist die menschgewordene Liebe Gottes.Wenn Sie das verstehen und Ihnen klar wird, dass Jesus bei Ihnen ist und in Ihrem Lebensboot sitzt, dass Er Ihnen immer folgt und immer folgen wird, dann verändert das alles! Und das wünsche ich Ihnen mehr als alles andere. Es spielt keine Rolle, wer Sie sind oder was Sie für eine Geschichte haben. Vielleicht sind Sie seit 30 Jahren Christ und lieben Jesus, solange Sie sich erinnern können. Vielleicht sitzen Sie aber auch hier und haben keine Ahnung von Gott. Sie sind nur da, weil Ihr Sitznachbar Sie mitgebracht und Ihnen versprochen hat, Sie hinterher zum Mittagessen einzuladen. Ganz gleich, wo Sie im Leben stehen – ich bete dafür, dass Gott Ihnen durch die Macht des Heiligen Geistes zeigt und bewusst macht, dass seine Liebe Ihnen schon immer gefolgt ist und auch jetzt bei Ihnen in Ihrem Leben ist. Denn wenn Ihnen bewusst wird, dass Gottes Liebe Ihnen folgt und wenn Sie Seine Liebe sehen, wird Sie das erschrecken. Um einen Ausdruck vom Arzt Lukas zu verwenden: Sie wird Sie zum Staunen bringen. In Vers 8 steht: „Als aber Simon Petrus es sah, fiel er zu den Knien Jesu nieder.“

Sind wir einmal ehrlich. Bei vielen von uns sieht es manchmal genauso aus wie bei Petrus. Wir sind in unserer Beziehung zu Jesus sehr unbeständig. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich denke, dass viele von uns Jesus lieben und Ihm nachfolgen wollen. Und selbst wenn Sie Jesus vielleicht nicht nachfolgen wollen, hoffe ich, dass Sie Jesus dennoch nachfolgen. Aber wenn wir ehrlich sind, ist Er manchmal nicht unsere erste Priorität. Er ist nicht das Wichtigste für uns. Wir folgen stattdessen dem, wonach sich unser Herz sehnt und allem Möglichen anderen. Und die logische Schlussfolgerung in unserem Kopf sieht dann so aus: „Wenn meine Beziehung zu ihm unbeständig ist, dann erwarte ich auch, dass Gottes Freundlichkeit mir gegenüber unbeständig ist.“

Viele Christen glauben das ihr Leben lang. Sie akzeptieren es einfach und hoffen das Beste. Aber Jesus ist in das Boot von Petrus gestiegen und Er steigt auch in unser Boot, um nicht nur Petrus, sondern auch uns zu zeigen, dass die Freundlichkeit Gottes nicht von unserer Leistung abhängt. Sie hängt nicht von unserer guten Leistung ab und auch nicht von unserer schlechten Leistung. Ob wir nun beständig sind oder unbeständig – es macht keinen Unterschied. Die Freundlichkeit, die Gott uns zeigt, hängt nicht von uns ab, sondern allein von Ihm! Denn das ist Sein Wesen. Freundlichkeit ist Seine Natur. Und wenn wir sie sehen, dann verschlägt uns das die Sprache. Wir müssen verstehen, dass Er Freundlichkeit ist. Wenn Sie darauf achten, werden Sie überall dort, wo Er ist, Seine Freundlichkeit entdecken. Ich möchte Ihnen heute etwas sagen: Weil Gottes Liebe Ihnen folgt und auch jetzt bei Ihnen ist, dürfen Sie etwas anderes erwarten als bisher. Sie dürfen erwarten, die Güte und Freundlichkeit Gottes in Ihrem Leben zu sehen. Es gibt noch mehr Punkte, aber ich habe nur noch vier Minuten Zeit. Ich nenne einfach ein paar Stichworte. Zum Beispiel Nummer drei. Sie dürfen erwarten, dass Gottes Liebe Ihre Berufung verändert. Mir gefällt, wie Petrus reagiert, als er die Freundlichkeit Gottes sieht. Er reagiert mit Buße. Er fällt Jesus zu Füßen und sagt: „Jesus, geh weg von mir. Ich bin ein sündiger Mensch.“ Als Petrus die Freundlichkeit Gottes sah – nicht die Verurteilung, sondern die Freundlichkeit Gottes – brachte das all die Dinge in seinem Leben ans Licht, die er ändern musste. Und als er vor Jesus kniete und seine Unzulänglichkeiten sah, wurde ihm bewusst, wie einseitig seine ganze Gleichung war. Er sagt: „Jesus, du bist heilig und rein und gut und gerecht und freundlich und ich bin das Gegenteil von all dem.“ Er sagt: „Meine Gleichung funktioniert nicht. Sie geht nicht auf. Jesus, Du solltest gehen. Geh weg von mir. Ich bin sündig. Ich bin nicht würdig.“ Und in diesem Moment erwartet Petrus, dass Jesus weggeht. Aber wieder reagiert Gottes Liebe anders als wir erwarten. Und ich liebe die Antwort von Jesus. Anstatt in diesem Moment wegzugehen, rückt Er die Berufung für das Leben von Petrus wieder zurecht. Schauen Sie, was Jesus als Erstes zu Petrus sagt. Ich finde das wunderschön. Er sagt: „Petrus, hab keine Angst. Fürchte dich nicht!“ Er sagt mit anderen Worten: „Ich weiß, dass du vor allem zum Fischen zurückgegangen bist, weil du Angst hattest. Ich weiß, dass dir Fischen Sicherheit gibt. Es ist etwas, worin du gut bist. Es ist etwas, das du gern tust. Vielleicht hast du dich sogar verpflichtet gefühlt, das Familienunternehmen weiterzuführen. Petrus, ich weiß, dass es dir unsicherer vorkommt, mir nachzufolgen. Ich weiß, dass du Angst hattest. Das ist in Ordnung. Jetzt hast du mich gesehen. Jetzt weißt du es. Du hast gesehen, dass alles im Leben leer ist, was nicht in mir verankert ist. Und jetzt, Petrus, rufe ich dich wieder. Komm und folge mir nach. Komm und liebe mich. Vertraue auf meine Liebe zu dir, denn in meiner Liebe wirst du deine Identität finden. In meiner Liebe wirst du das Abenteuer finden. In meiner Liebe wirst du Erfüllung finden und alles, wonach dein Herz sich sehnt. Petrus, du musst keine Angst mehr haben, denn meine vollkommene Liebe treibt jede Angst aus.“ Und verstehen Sie, was Er danach zu ihm sagt. „Von nun an wirst du Menschen fischen.“ Ich liebe den ersten Teil, dieses „von nun an“. Denn damit lässt er die Vergangenheit zurück. Er sagt: „Schau, Petrus, wir fangen von vorne an. Ich gebe dir einen neuen Sinn. Ich gebe dir eine neue Aufgabe für dein Leben. Was vorher war ist alt. Es ist tot und vorbei. Alles wird neu. Von nun an wirst du Menschen fischen.“ Ist es nicht wunderbar, wie Jesus sich immer auf unsere Ebene herunter begibt? Er sagt: „Petrus, ich nehme ein Prinzip, das du verstehen kannst. Ich nehme eine Sache, die du kennst und liebst und in der du gut bist. Ich nehme deine Talente, deine Fähigkeiten und deine Wünsche und mache etwas Neues daraus. Ich gebe ihnen einen neuen Sinn. Bis jetzt hast du Fische gefangen, um sie zu töten. Aber von nun an wirst du Menschen gewinnen, die geistlich tot sind, um ihnen den Weg zum Leben zu zeigen.“ Und auch die Reaktion von Petrus finde ich großartig. Es ist nicht nur die Reaktion von Petrus, sondern von allen, die mit ihm im Boot waren. Und das ist ein weiterer Punkt: Gottes Liebe ist ansteckend. Was Gott mit seiner Liebe in Ihnen bewirkt, gilt nicht nur für Sie allein. Nein, es gilt für alle in Ihrem Umfeld und in Ihrem Einflussbereich. Ich finde die Reaktion von Petrus und allen anderen im Boot großartig. Vers 11: „Sie verließen alles und folgten ihm nach.“ Alles! Sie verließen alles, was ihrem Leben vorher Sinn und ein Gefühl von Erfüllung gegeben hatte, um Jesus nachzufolgen. Wenn wir heute einen von diesen Männer interviewen könnten und fragen würden: „Hey, Petrus! War es das wert, ihm nachzufolgen?“, dann würde er mit einem Wort antworten. Er würde sagen: „Absolut!“ Wie oft definieren wir uns in unserem Leben darüber, was wir getan haben. Wir definieren uns über unsere Vergangenheit oder über die Gegenwart  darüber, was wir gerade tun. Wir definieren uns darüber, was wir tun werden und was wir für die Zukunft planen. Aber wenn wir Jesus wirklich und ernsthaft nachfolgen wollen, dann müssen wir Ihm all diese Dinge zu Füßen legen und sie Ihm unterordnen. Dann müssen wir Ihm und Seiner Liebe zu uns vertrauen. Wenn Sie das schon einmal getan haben und Ihm schon einmal Ihre Pläne, Ihre Ziele, Ihre Träume und Ihr Leben übergeben haben, dann wissen Sie, dass das ein wunderbares Erlebnis ist. Es ist wunderschön. Aber es macht auch Angst. Es macht Angst, vor Gott zu stehen und zu sagen: „Gott, hier ist mein Leben. Hier sind meine Unternehmungen, meine Ziele, meine Träume, meine Wünsche und meine Talente. Nimm meine Vergangenheit und die Dinge, dich mich definiert haben. Nimm meine Gegenwart und was mich gerade definiert. Nimm meine Zukunft und die Dinge, von denen ich will, dass sie mich definieren. Nimm alles und tu damit, was Du willst. Nimm es, denn mehr als alles andere in dieser Welt will ich Dich. Mehr als nach allem anderen sehne ich mich nach Dir. Ich will Dir nachfolgen, weil ich Deine Güte und Freundlichkeit gesehen habe und auf Deine Liebe zu mir vertraue.“ Und was geschieht, wenn wir das tun? Dann nimmt Er diese Liebe. Er nimmt alles, was wir Ihm geben und verwandelt  es. Er macht es neu. Er schenkt uns eine Leidenschaft für die Menschen und für Sein Reich wie nie zuvor. Er nimmt alles und gibt sie uns wieder. Er sagt: „Komm, folge mir nach. Ich werde dir zeigen, wie du das Leben führen kannst, für das du geschaffen worden bist.“ Gottes Liebe ist nicht so, wie wir es erwarten. Sie übersteigt unsere Erwartungen.

Danke, Harrison, für diese tief gehende Predigt. Und Ihnen möchte ich einfach noch sagen, dass Ihr Schöpfer Sie heiß und innig liebt. Ich glaube nicht, dass es ein Zufall ist, dass Sie gerade zuschauen. Gott versucht Ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen. Er möchte etwas in Ihrem Leben tun. Ja, er hat Ihre Gebete gehört und Er ist nicht weit von Ihnen weg. Wenden Sie Ihm Ihr Herz zu! Dann werden Sie Ihn auf noch bessere Art finden. Ich hoffe, dass Sie nächstes Mal wieder einschalten. Gott hält großartige Dinge für uns bereit und ich habe eine wunderbare Botschaft für Sie, mit der wir uns beschäftigen werden. Bis dahin sei Gottes reicher Segen stets mit Ihnen. Bis zum nächsten Mal!

 

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