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Warum Liebe Grenzen braucht – Philipperbrief

Was, wenn Liebe nicht immer „Ja“ sagen bedeutet? Anhand des Philipperbriefes zeigt Bayless Conley, warum echte Liebe Grenzen braucht – etwa wenn Hilfe zur Gewohnheit wird oder Verantwortung ausbleibt. Erfahre, wie Gottes Wort und der Heilige Geist dir helfen können, Liebe auf Gottes Weise zu leben. Eine herausfordernde und zugleich befreiende Botschaft für alle, die lieben wollen, ohne sich selbst oder anderen zu schaden.

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  • Hallo und willkommen zur heutigen Sendung. Wo auch immer du bist, was auch immer in deinem Leben gerade los ist – du darfst wissen: Gott sieht dich, er liebt dich, er kennt deine Geschichte, und er will dir helfen. Ich glaube nicht, dass es Zufall ist, dass du mir gerade zuhörst. Ich bin sicher, wenn wir jetzt in die Bibel schauen, wird etwas Wichtiges für dich dabei sein. Ich rechne damit, dass Gott heute durch sein Wort zu dir spricht.
    Wir sind gerade im Philipperbrief unterwegs. Die Gemeinde in Philippi ist unter heftiger Verfolgung entstanden. Der Apostel Paulus und Silas kamen in die Stadt Philippi, weil Paulus eine Vision gehabt hatte. Ein Mann aus Mazedonien hatte gesagt: „Kommt nach Mazedonien und helft uns.“ Man könnte meinen: Wer so eine Vision von Gott bekommt, wird am Stadttor empfangen, bekommt den Schlüssel zur Stadt ausgehändigt und darf im größten Saal der Stadt predigen – aber so kam es nicht.

    Eine Frau namens Lydia war die Erste, die in Europa zum Glauben kam. Die Stadt Philippi kontrollierte die Straße zwischen Europa und Asien. Ein strategisch wichtiger Ort. Die Stadt war nach Philipp von Mazedonien benannt, dem Vater von Alexander dem Großen. Viele Kriege wurden geführt, um dieses Gebiet zu kontrollieren, eben weil es so wichtig war – und auch für das Evangelium war dieser Ort strategisch entscheidend. Lydia kam also zum Glauben. Als Nächstes befreite Paulus eine Wahrsagerin von einem Dämon. Sie war ihnen nachgelaufen und hatte gerufen: „Das sind Diener des höchsten Gottes, die uns den Weg zur Rettung zeigen!“ Was sie sagte, stimmte, aber der Geist dahinter war nicht richtig. Ich bin ziemlich sicher, dass sie das in einem spöttischen Ton sagte. Denn der Teufel hilft nie, Gottes Sache voranzubringen. Was sie tat und wie sie es tat, diente nicht dem Evangelium. Paulus befreite sie vom Dämon, aber ihre Besitzer waren verärgert, weil ihr Profit aus der Wahrsagerei damit dahin war. Sie hetzten alle gegen Paulus und Silas auf, ließen sie verprügeln und ins Gefängnis werfen. Vielleicht kennst du die Geschichte. Gott schickte ein Erdbeben und öffnete die Türen. Der Gefängniswärter kam zum Glauben, ließ sich mit seiner ganzen Familie taufen und eine Gemeinde entstand. Diesen Brief schreibt Paulus ungefähr zehn Jahre später aus einem römischen Gefängnis – an genau diese Menschen – plus weitere. Er schreibt an „die Heiligen in Christus Jesus, an die Aufseher und Diakone“. Es gab damals mehrere Hausgemeinden in Philippi. Kürzlich sind wir die ersten sechs Verse durchgegangen. Heute möchte ich in Philipper 1,6 weitermachen. Paulus schreibt hier:

    „Ich bin ganz sicher, dass Gott, der sein gutes Werk in euch angefangen hat, damit weitermachen und es vollenden wird bis zu dem Tag, an dem Christus Jesus wiederkommt.“

    Was Gott in dir angefangen hat, das wird er auch zu Ende bringen. Du bist im Werden. Ich habe mein Leben Jesus vor ungefähr fünfzig Jahren gegeben, in einem Missionsprojekt in Medford in Oregon. Für alle, die die USA nicht so gut kennen: Oregon grenzt nördlich an Kalifornien. Dort habe ich mein Leben Jesus gegeben. Innerlich hat er mich sofort verändert. Mein Geist wurde neu geboren. Ich wurde ein Kind Gottes, aber danach hat erst ein Prozess begonnen, damit das, was innerlich passiert war, auch äußerlich sichtbar wurde. Seit fünfzig Jahren beschäftige ich mich intensiv mit Der Bibel und versuche Jesus nahe zu sein. Und ich bin immer noch im Werden. Gott formt mich, damit ich Jesus ähnlicher werde. Er ist mit dir als Christ noch lange nicht fertig. Er wird dieses gute Werk, dich Jesus ähnlicher zu machen, weiterführen, bis Jesus wiederkommt. Dann schreibt Paulus im nächsten Vers, Philipper 1,7:

    „Es ist nur natürlich, wenn ich so empfinde, denn ihr liegt mir sehr am Herzen. Gemeinsam empfangen wir die Gnade Gottes, ob ich nun im Gefängnis bin oder die Botschaft Gottes verteidige und bekräftige.“

    Paulus schreibt den Gläubigen in Philippi damit: „Hört zu, ich trage euch im Herzen. Gott hat euch mir aufs Herz gelegt. Und es ist nur natürlich, dass ich so denke: Gott wird vollenden, was er in euch begonnen hat. Denn ob ich hier im Gefängnis bin oder frei draußen predige – ihr habt mit mir Anteil an Gottes Gnade, an seiner unverdienten Zuwendung.“ Dann sagt er in Vers 8:

    „Gott weiß, wie sehr ich mich mit der herzlichen Liebe von Christus Jesus nach euch sehne.“

    Paulus’ Herz schlägt im Takt mit Gottes Herz. Gott liebt sie, und Paulus liebt sie. Und das, was Paulus ihnen als Nächstes schreibt, ist so wichtig. Ich möchte es kurz einleiten. Ich bin mir sicher: Manche, die gerade zuschauen, sind in ihrem Leben verletzt worden. Du wolltest das Richtige, aber wurdest dafür bestraft. Vielleicht hat dich sogar etwas verletzt, was Leute in der Gemeinde dir angetan haben. Menschen, die sich zu Jesus bekennen, haben dir Unrecht getan. Lass mich dir sagen: Verletzungen in Gemeinden gehören zur Realität, aber Heilung in der Gemeinde auch. Hör nicht auf hinzugehen, isoliere dich nicht vom Leib Christi – nur weil es dort auch Heuchler gibt oder weil dich jemand nicht richtig behandelt hat. Wir werden geformt, damit wir Jesus ähnlicher werden.

    In Lukas 6 kannst du nachlesen, wie Jesus und seine Jünger am Sabbat Hunger hatten und durch Getreidefelder gingen. Die Jünger pflücken Ähren, rieben sie zwischen den Händen und aßen die rohen Körner. Dabei wurden sie von Pharisäern beobachtet, die sagten: „Was ihr da am Sabbat macht, ist verboten.“ Sie hatten so viele Regeln zu Gottes Sabbatgedanken dazugepackt, dass sie den Sinn völlig verdreht hatten. Sie sagten: „Wenn ihr die Körner in den Händen reibt, dann arbeitet ihr, und das ist illegal, ihr macht euch schuldig.“ Das war einfach lächerlich, aber sie wollten Streit mit Jesus.

    Im nächsten Vers, in Lukas 6,6 lesen wir: „An einem anderen Sabbat ging Jesus in die Synagoge und lehrte.“ Wenn du Matthäus’ Bericht dazu nimmst, heißt es: „Jesus ging in ihre Synagoge und lehrte.“ Er ging also in das Gotteshaus genau der Leute, die gerade noch Streit mit ihm anfangen wollten. In der Synagoge war ein Mann mit einer verkrüppelten Hand, und sie beobachteten Jesus genau, um zu sehen, ob er am Sabbat heilen würde, damit sie ihn anklagen konnten. Sie waren nicht innerlich offen und sie kümmerten sich nicht um den Mann mit seiner Behinderung aus ihrer eigenen Gemeinschaft. Als er geheilt wurde, freuten sie sich nicht einmal. Sie waren wütend und fingen an zu planen, wie sie Jesus umbringen könnten. So ist die Lage. Diese Männer haben Jesus schlecht behandelt und versucht, Streit mit ihm anzufangen. Und was macht Jesus? Er geht in ihre „Gemeinde“ – und das ist ein starkes Vorbild für uns. Vielleicht haben dich Menschen in der Gemeinde verletzt und schlecht behandelt, aber das ist kein Grund, nicht mehr in die Gemeinde zu gehen. Geh in Gottes Haus. Ja, es gibt Heuchler dort. Und genau da sollen sie auch sein, damit der Heilige Geist sie verändern kann, wenn sie Gottes Wort hören. Vielleicht bist du sogar von Leitern der Gemeinde schlecht behandelt worden. Lass daraus keinen Keil werden, der zwischen dir und deinem Gemeindebesuch steht. Geh wieder zur Gemeinde. Du musst dahin. Ich sage das, weil das, was wir gleich im Philipperbrief lesen, damit zusammenhängt. Achtung, das ist zentral. In den Versen 9 und 10 schreibt Paulus:

    „Ich bete darum, dass eure Liebe zueinander noch tiefer wird und dass sie an Erkenntnis und Einsicht zunimmt. Denn ihr sollt imstande sein zu erkennen, worauf es ankommt, damit ihr rein und vorbildlich vor Christus steht, wenn er wiederkommt.“

    Interessant: Er betet, dass ihre Liebe noch tiefer wird. Im Griechischen steht hier agape, das ist Gottes Art von Liebe. In Römer 5 steht, dass diese Liebe durch den Heiligen Geist in unsere Herzen ausgegossen wurde. Dieselbe Liebe, die Gott hat, hat der Heilige Geist in uns hineingelegt. Wenn du Christ bist, dann ist sie da. Vielleicht kommt sie bei dir noch nicht richtig raus, aber sie ist da, du musst sie nur freisetzen. Diese Liebe zeigt sich im Grunde auf zwei Arten. Sie zeigt sich, indem du gibst, und sie zeigt sich, indem du vergibst. Du vergibst das Unrecht, das man dir antut, und du gibst weiter – an andere und für die Sache des Evangeliums. So zeigt sich seine Liebe. In 2. Korinther 5 heißt es: „Die Liebe Christi drängt uns.“ Da ist also ein innerer Druck durch den Heiligen Geist. Gottes Liebe will raus. Sie will sichtbar werden, indem du vergibst, was man dir angetan hat, und indem du großzügig gibst, anderen hilfst und das Anliegen des Evangeliums unterstützt.

    Die Philipper hatten auf diesen inneren Impuls, auf dieses innere Drängen von Gottes Liebe reagiert – durch ihr Geben. Das sehen wir in Vers 5. Paulus schreibt: „Denn ihr habt euch vom ersten Tag an bis heute gemeinsam mit mir für die gute Botschaft eingesetzt.“ Wenn du im Neuen Testament nachliest, siehst du: Sie war tatsächlich die einzige Gemeinde, die das so konsequent tat. Sie unterstützte Paulus immer wieder treu. Sie spendeten, damit andere die gute Nachricht hören, damit sich die Sache von Jesus ausbreiten konnte. Paulus betet also: Auch wenn sie diese Liebe schon ausdrückten, soll sie weiter wachsen. Aber sie soll innerhalb bestimmter Grenzen wachsen – innerhalb der Leitplanken von Erkenntnis und Einsicht. Bemerkenswert. Im Grunde sagt er: „Ich bete, dass die Liebe Gottes, die der Heilige Geist in euer Herz gelegt hat, immer mehr überfließt und sich immer stärker zeigt – durch Geben und durch Vergeben. Aber ich bete auch, dass ihr sie innerhalb der Leitplanken von Erkenntnis und Einsicht auslebt.“

    Jede Erkenntnis bekommen wir durch die Bibel, und Einsicht durch den Heiligen Geist. Kenneth Wuest, ein bekannter Griechisch-Experte, formuliert es in seiner Übersetzung so: „Dass eure Liebe überfließt, aber gleichzeitig innerhalb der leitenden Grenzen einer genauen Kenntnis von Gottes Wort bleibt.“
    A. S. Worrell macht in seiner Übersetzung des Neuen Testaments dazu diese Bemerkung: „Liebe, die von einer vollständigen Erkenntnis der Wahrheit und einem Geist der richtigen Einsicht begleitet wird, ist eine der höchsten geistlichen Errungenschaften. Liebe ohne diese beiden Begleiter ist blind und kann zu Exzessen führen.“ Bitte schenke mir jetzt deine ganze Aufmerksamkeit, denn in vielen Kreisen hört man darüber fast nichts – dabei ist es extrem wichtig. Paulus sagt im Grunde: „Ich will, dass ihr eure Liebe ausdrückt, aber ich will auch, dass ihr versteht: Es gibt Grenzen. Die Bibel und Gottes Geist geben uns Leitplanken, wie wir diese Liebe ausdrücken sollen.“

    Mancher fragt vielleicht: „Bayless, was meinst du damit?“ Hier ein Beispiel. Vor einigen Jahren kam ein Mann zu mir. Er war Maler. Kein Künstler, sondern Handwerker. Er strich Innenräume und Fassaden. Er kam in unsere Gemeinde und war vorher höchstens ein paarmal dagewesen. An dem Abend setzte ich mich mit ihm hin und er sagte: „Pastor, ich brauche Hilfe. Ich hatte kaum Aufträge, aber jetzt habe ich einen Job. Der startet in zwei Tagen und ist gut bezahlt. Ich brauche nur bis dahin etwas Geld.“ Gottes Liebe in mir drängte mich, ihm zu helfen. Es war schon ziemlich spät abends und ich sagte: „Ich kann dir sofort aus meiner eigenen Tasche etwas geben. Ich sehe, du bist in einer Notlage, aber ich brauche das Geld zurück. Du sagst, dein Job startet in ein paar Tagen und du bekommst dann Geld? Kannst du es mir innerhalb einer Woche zurückgeben? Ich leihe dir diese Summe, aber ich brauche sie für einen Familienurlaub mit meiner Frau und meinen Kindern. Kannst du sie mir bis Ende der Woche zurückzahlen?“ Er sagte: „Auf jeden Fall, Pastor, wird erledigt.“ Also griff ich in die Schublade und gab ihm das Geld. Das war das letzte Mal, dass ich ihn je gesehen oder wieder von ihm gehört habe. Er hat mich reingelegt.

    Und doch: Gottes Liebe drängt uns – sie will geben und sie will helfen. Ich gehe an keinem Obdachlosen auf der Straße vorbei, ohne dass ich ihm irgendwie helfen will. Tatsächlich war ich neulich mit einem Freund zum Mittagessen verabredet. Er war früher Pastor, aber ist es heute nicht mehr. Wir treffen uns ab und zu. Nach dem Essen gingen wir beide zu unseren Auto. Neben meinem Auto sah ich einen Obdachlosen. Ich sprach ihn an, sah nach, ob es ihm gut ging, und fragte, ob er gerade etwas dringend brauche. So mache ich das irgendwie ständig.

    Ich glaube einfach: Gottes Liebe drängt uns. Aber an dem Abend habe ich diese Liebe nicht innerhalb der Leitplanken von Erkenntnis und Einsicht gelebt. Ich hörte nicht auf den Heiligen Geist, der mich, wie ich glaube, warnen wollte, dass dieser Mann ein Spiel mit mir spielt. Er verschwand mit dem Urlaubsgeld. Du kannst dir vorstellen, wie in dem Jahr unser Urlaub aussah – oder eben nicht aussah. Wichtig: Es gibt Leitplanken. Genau deshalb brauchst du eine Liebesbeziehung zu Gottes Buch. Hier ein Beispiel. In 2. Thessalonicher 3,10 steht

    „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“

    Das ist eine Leitplanke dafür, wie wir Gottes Liebe ausdrücken. Und trotzdem haben manche auch Faulpelze unterstützt – oder nennen wir sie ruhig „Schmarotzer“. Sie leben auf Kosten anderer und wollen nicht arbeiten. Sie meinen: „Es wäre lieblos, wenn du mir nicht hilfst.“ Nein. Wir haben eine Leitplanke. Wenn jemand nicht arbeiten will, soll er auch nicht essen. Wir sollten nicht ihre Miete bezahlen und ihnen nicht einfach Geld zustecken, wenn sie sich weigern zu arbeiten. Natürlich geht es nicht um jemanden, der wegen einer Behinderung, seines Alters oder aus anderen Gründen nicht arbeiten kann, sondern um jemanden, der nicht arbeiten will.

    Ich erinnere mich an einen Mann, der vor Jahren in unserer Gemeinde war. Er war jung, fit, und sah ziemlich gut aus. Er bekam Geld von diesem und jenem. Immer hatte er eine Geschichte zu erzählen. Dann kam er zu mir und wollte, dass die Gemeinde ihn unterstützt. Ich fragte: „Hast du einen Job?“ Er sagte: „Nein.“ Also sagte ich: „Hör zu, ich werde etwas für dich tun.“ Ich habe ihm drei verschiedene Stellen gezeigt, bei denen Leute gesucht wurden. Ich habe mich mit ihm hingesetzt und gesagt: „Hier, hier und hier kannst du arbeiten. Ich habe nachgefragt, alle suchen Leute. Bitteschön.“ Er warf einen Blick darauf und sagte: „Nein, diese Art von Arbeit mag ich nicht, das will ich nicht und, nein, das mache ich auch nicht.“ Im Grunde warf er mir alles vor die Füße. Er sagte: „Ich mache nichts davon“, wollte aber Geld von mir. Ich sagte: „Ich gebe dir kein Geld aus der Gemeindekasse. Du bist jung und stark und kannst arbeiten.“ Er sagte: „Das ist lieblos, das ist nicht richtig. Du sollst doch jedem geben, der dich darum bittet.“ Da wurde ich ein bisschen sauer, und ich wurde deutlich: „Ich gebe dir kein Geld. Und mit allen, von denen ich weiß, dass du sie ausnimmst, werde ich auch reden.“ Da wurde er richtig wütend. Aber so habe ich es gemacht.

    Ich kannte drei oder vier Leute, die ihn unterstützten und sagte zu ihnen: „Ich will euch nichts vorschreiben, aber bitte bedenkt: Dieser junge Mann kann arbeiten, und es gibt Arbeit für ihn, aber er weigert sich. Solange ihr seine Miete zahlt und ihm Geld für Lebensmittel gebt, wird er weiterhin nicht arbeiten.“ Die Leute, mit denen ich sprach, sagten: „Pastor, du hast recht. Wir fühlten uns moralisch unter Druck gesetzt. Er hat uns ein schlechtes Gewissen gemacht, wenn wir ihm nicht helfen würden. Aber du hast recht. Und ehrlich gesagt: Wir hatten ohnehin den Eindruck, der Heilige Geist sagt uns das.“ Also haben sie ihm den Geldhahn zugedreht. Er wurde wütend und suchte sich eine andere Gemeinde, wo er sich neue Opfer suchen konnte.

    Vielleicht kennst du das sogar aus deiner Familie. Verwandte weigern sich zu arbeiten und wollen, dass du sie mit durchfütterst. Das macht dir das Leben schwer. Vielleicht so sehr, dass du sogar Abstand von Gott genommen hast, weil du gemerkt hast, dass man dich ausnutzt. Aber Gott wollte nie, dass du oder ich unsere Liebe ausdrücken, indem wir so jemanden unterstützen. Das wäre Liebe ohne Erkenntnis und Einsicht. Paulus betet, dass unsere Liebe wächst – aber innerhalb der Leitplanken von Erkenntnis, also Gottes Wort, und Einsicht, also dem Hören auf den Heiligen Geist.
    Als ich frisch zum Glauben kam, kannte ich einen Mann, der so etwas wie der Pastor für einige junge Leute aus der Gegend war. Ich lernte ihn ziemlich gut kennen. Er liebte Gott von ganzem Herzen. Er hatte eine Frau und Kinder, aber jedes Mal, wenn ich zu Besuch kam, waren ständig unglaublich viele Leute bei ihm untergebracht.

    Er liebte Menschen. Er las mit ihnen in der Bibel und legte Gottes Wort aus, aber die Lebensweise war nicht klug. Sein Herz schlug für Menschen, aber es fehlten Erkenntnis und Einsicht. Seine Familie litt darunter. Weder seine Frau hatte Privatsphäre, noch sie als Paar. Seine Kinder hatten ihn nie für sich. Ohne Übertreibung kam man manchmal hin, und es schliefen sieben oder acht Leute auf dem Sofa und auf dem Boden. Sie waren ständig da. Auch finanziell war das eine Belastung. Er konnte für seine Frau und seine Kinder nicht so sorgen, wie er es hätte tun sollen. Und nochmal: Es fehlte die Privatsphäre. Seine Frau hatte das Gefühl, nie Raum für sich oder Zeit mit ihm zu haben. Es raubte ihm Zeit mit den Kindern und seine Familie litt wirklich darunter. Am Ende zerbrach seine Ehe und das lag ohne Frage auch daran. War er von Liebe motiviert? Ja, er tat es reinen Herzens, aber es fehlten die Leitplanken von Erkenntnis und Einsicht. Sogar als junger Christ dachte ich damals: „Das ist schön, aber nicht gut für die Familie und die Ehe.“ Aus irgendeinem Grund konnte er das nicht sehen.

    Gott will, dass wir uns von Liebe leiten lassen und Zeit, Begabungen und finanzielle Mittel verschenken – aber nicht an jeden und nicht unter allen Umständen. Gott will, dass wir liebevoll leben und vergeben, aber er will nicht, dass wir einfach jedem vertrauen. Ich vergebe, und dieses Geschenk gebe ich freizügig, aber ich vertraue nicht jedem.
    Tatsächlich habe ich erst letzten Sonntag morgens hier in unserer Gemeinde gepredigt, und ein großer Teil der Predigt drehte sich um Vergebung. Gottes Liebe drängt uns zu vergeben. Die Bibel fordert uns auf, anderen zu vergeben, so wie Christus uns vergeben hat. Das gehört zu unserem neuen Wesen dazu. Die Liebe ist in unsere Herzen ausgegossen. Aber manche Menschen verwechseln Vertrauen mit Vergebung. Ich vergebe dir, und ich trage dir nichts nach, aber Vertrauen musst du dir verdienen. Ich lasse dich nicht einfach wieder in mein Leben, damit du mich oder meine Familie nochmal verletzt. Du musst mir erst zeigen, dass du vertrauenswürdig bist. Ich gehe liebevoll mit dir um, aber ich vertraue dir erst wieder, wenn du mir zeigst, dass du vertrauenswürdig bist.

    Ich habe am Wochenende auch über einen Freund von mir gesprochen, der mein Vertrauen zutiefst missbraucht hat. Das hat mich kalt erwischt und eine Zeit lang völlig aus der Bahn geworfen. Damit umzugehen, war sehr schwer und sehr emotional für mich. Aber ich habe ihm vergeben. Zuerst war das für mich ein Schritt des Glaubens. Jesus sagt in Lukas 17 – zu den Jüngern: „Wenn dein Bruder siebenmal am Tag gegen dich sündigt und siebenmal zu dir kommt und sagt: ‚Es tut mir leid‘, dann sollst du ihm vergeben“. Darauf sagten die Jünger: „Herr, gib uns mehr Glauben.“ Manchmal ist Vergebung ein Glaubensschritt, und so war es damals bei mir. Ich musste einfach sagen: „Herr, ich habe ihm vergeben.“ Und dann rollten Gefühle über mich hinweg, und Zorn kam wieder hoch, und ich sagte: „Nein, ich habe das losgelassen. Vater, das liegt in deinen Händen. Ich gebe Bitterkeit, Abscheu und Unvergebenheit keinen Platz in meinem Herzen.“ Eine ganze Weile lang musste ich das fast jeden Tag beten. Aber am Ende wurde meine Seele immer ruhiger, bis nicht der kleinste Rest negativer Gefühle mehr übrig war.

    Paulus schreibt in Vers 10, dass ihre Liebe mit Erkenntnis und Einsicht wachsen soll, „denn ihr sollt imstande sein zu erkennen, worauf es ankommt, damit ihr rein und unanstößig vor Christus steht, wenn er wiederkommt.“ Das ist wichtig. Er will, dass wir prüfen, was wirklich entscheidend ist. Prüfen heißt: testen, erproben. Und „das Entscheidende“ bedeutet wörtlich „das Unterscheidende“. Wie Gottes Liebe in uns sichtbar werden soll, müssen wir anhand der Bibel und mit Gottes Geist prüfen – durch Erkenntnis und Einsicht. Wenn das, was du tun willst, nicht zu dem passt, was die Bibel sagt, oder nicht zu dem, was der Heilige Geist dir sagt, dann tu es nicht. Wir müssen in der Erkenntnis von Gottes Wort wachsen, und sensibler werden für den Heiligen Geist. Warum? Damit wir rein bleiben – aufrichtig, innerlich klar – ohne dass Ärger, Bitterkeit, Zynismus oder Wut in unser Herz hineinrutschen. Und damit wir unanstößig bleiben. Dieses Wort bedeutet im Griechischen wörtlich: stolpern. Damit wir nicht stolpern und damit wir andere nicht zum Stolpern bringen – bis zum Tag, an dem Jesus wiederkommt.

    Darum müssen wir lernen, gut zu unterscheiden. Das beeinflusst andere, aber es beeinflusst auch uns. Ich muss Dinge anhand der Bibel prüfen, und ich muss prüfen, was der Heilige Geist mir sagt. Ich brauche Erkenntnis und Einsicht, damit ich ohne Anstoß bleibe und nicht stolpere. Damit ich rein bleibe und Bitterkeit keinen Platz in meinem Herzen findet. Ich will innerlich integer und sauber bleiben – bis zu dem Tag, an dem Jesus wiederkommt. Ich will, dass meine Liebe wächst. Ich will mehr und mehr geben. Ich will vergeben und mir ein reines Herz bewahren. Aber dafür brauchen wir diese Leitplanken: Erkenntnis aus der Bibel und Einsicht durch den Heiligen Geist. Also, liebe fröhlich weiter – aber bleibe innerhalb dieser Grenzen. Wir sehen uns bald wieder.

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