Konflikte? So wirst du deinen Ärger los 1/2 – Janet und Bayless Conley

Bist du verletzt, enttäuscht oder ungerecht behandelt worden, vielleicht sogar von jemandem aus deiner Gemeinde? Hast du versucht, die Person darauf anzusprechen und dafür nur Feindseligkeit oder Abwehr geerntet? Bayless und Janet Conley erkunden den biblischen Weg für den Umgang mit Menschen, die einem Unrecht getan haben (oder die im Unrecht sind). Du wirst nicht nur eine Methode entdecken, wie du selbst die schlimmsten Konflikte mildern und lösen kannst, sondern auch feststellen, wie unschätzbar wertvoll es ist, sein Herz von Feindseligkeit und Unversöhnlichkeit frei zu halten.

Dies ist der erste Teil der Predigt, den zweiten Teil findest du hier…

Predigtmanuskript

Herzlich willkommen zu unserer heutigen Sendung. Wir werden darüber sprechen, wie wir unsere geistlichen Geschwister gewinnen können, ohne uns selbst zu verlieren. Wenn jemand gekränkt ist, ist er mitunter schwerer zurückzugewinnen als eine befestigte Stadt. Doch Jesus gibt uns Anweisungen, wie wir gekränkte Geschwister zurückgewinnen können, ohne uns dabei selbst zu schaden. Wenn Sie eine Bibel haben, dann nehmen Sie sie zur Hand. Wir wollen uns gemeinsam mit Gottes Wort beschäftigen. Ich freue mich darauf!
Dieses Mal werden meine Frau und ich uns die Predigt teilen. Ich fange an, sie übernimmt den Mittelteil und ich mache den Abschluss. Wir werden beide über einen Text aus Matthäus 18 sprechen. Wenn Sie eine Bibel oder ein elektronisches Bibelprogramm dabeihaben, können Sie schon mal Matthäus 18 aufschlagen. Ich glaube, wir haben heute einige Dinge zu sagen, die für Beziehungen sehr wichtig sind. Trotzdem kann es unglaublich schwieriges Terrain sein, wenn wir mit anderen Menschen in guten Beziehungen leben wollen.

Meine Familie väterlicherseits stammt aus West Virginia. Die Leute dort gelten als etwas hinterwäldlerisch. Und diese Seite der Familie Conley ist ein bisschen stur. Meine Ur-urgroßmutter, Oma Steel, hatte einmal einen riesigen Streit mit ihrem Mann, meinem Ur-urgroßvater. Unsere Familie rätselt immer noch, worum es bei dem Streit eigentlich ging. Ich glaube, es hatte etwas damit zu tun, dass sie nicht noch mehr Kinder wollte. Also, die beiden stritten sich heftig. Am Ende packte Oma Steel ihre Tasche, verließ das Haus, überquerte den Schotterweg und lief den Hügel hinauf, wo sie eine kleine Hütte hatten.
Sie ließ sich häuslich nieder und verbrachte ihre Nacht dort. Am nächsten Morgen kam sie zurück, richtete Opa Steel das Frühstück, räumte ein bisschen auf und ging wieder den Hügel hinauf zu ihrer kleinen Hütte. Sie sagte nichts zu ihm und sprach nicht mit ihm. So ging es die nächsten 20 Jahre weiter. Bis zu ihrem Tod redete sie nie wieder ein Wort mit dem Mann. Das ist nicht die beste Herangehensweise bei Konflikten – sich einfach zu trennen und nicht mehr miteinander zu reden. Aber genau das tat Oma Steel.

Heute soll es darum gehen, wie wir in Konflikten reagieren, wenn andere uns unrecht tun. Jesus hat dazu einiges gesagt, was ziemlich verblüffend und sogar schockierend ist. Hier in Matthäus 18 ermahnte er die Jünger zunächst, anderen keinen Anstoß zu geben, sich nicht an anderen zu versündigen. Dann erklärte er ihnen, wie sie reagieren sollten, wenn andere ihnen Anstoß gaben, wenn andere sich an ihnen versündigten.
Und im Kern dessen, was Jesus hier lehrt, geht es darum, die Beziehung zu retten und eine kaputte Beziehung wiederherzustellen. Jesus gebrauchte ein Bild, um diese Situation zu erklären: Wenn jemand hundert Schafe hat und sich eines davon verirrt, geht er dem einen Schaf nach und rettet es und bringt es zurück zur Herde. Und in diesem Zusammenhang sprach Jesus von einer zerbrochenen Beziehung, die uns genug wert sein sollte, um aktiv zu werden und ihr nachzugehen und sie zu retten.
Wir lesen also Matthäus 18 ab Vers 15. Schlagen Sie die Stelle am besten mit auf. Matthäus 18,15:

„Wenn aber dein Bruder sündigt, so geh hin, überführe ihn zwischen dir und ihm allein! Wenn er auf dich hört, so hast du deinen Bruder gewonnen.“

Das Ziel ist, den anderen zu gewinnen … zwar ohne sich selbst zu verlieren, aber den anderen zu gewinnen. Wir sollen nicht schadenfroh sein und dem anderen nicht beweisen, dass er im Unrecht war, aber das Ziel ist, den Bruder oder die Schwester zu gewinnen.
Jesus sagte nicht: „Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, trenne dich von ihm und sprich nie wieder mit ihm.“ Vielmehr heißt es da: „Geh zu ihm hin.“ Jesus sagt, die geschädigte Partei soll den Schritt tun. Von Natur aus würden wir doch sagen: „Moment mal! Er ist doch derjenige, der mir unrecht getan hat. Er soll den ersten Schritt tun. Er weiß, was er gemacht hat. Ich rühre keinen Finger. Er muss zu mir kommen.“
Nein. Jesus sagte: „Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, geh du zu ihm.“ Es ist immer die geistlichere Person in einer Beziehung, in einer Ehe oder anderweitig, die sich zuerst um Versöhnung bemüht. Ich finde, Eheleute sollten sich eher gegenseitig zuvorkommen, zu bereuen und um Vergebung zu bitten. Es ist immer die geistlichere Person, die den ersten Schritt geht. Doch Jesus sagte dies auch, weil Gott Beziehungen so großen Wert beimisst. Er sagte: „Tu es zwischen dir und der anderen Person allein.“ Niemand sonst muss es wissen.

Doch manchmal ist es genau andersherum. Manchmal gehen die Betroffenen erst zu allen anderen, statt zu der Person, um die es sich handelt, und erzählen alles herum: „Sie hat das und das gemacht …“ Nun haben alle eine schlechte Meinung und sind voreingenommen. So wird aber der Bruch nur noch größer und es wird umso schwieriger, die Beziehung wiederherzustellen. Schon in Sprüche 25,9 heißt es: „Deinen Rechtsstreit führe mit deinem Nächsten, aber gib nicht preis, was ein anderer dir anvertraut hat.“
Weiter sagt Jesus: „Wenn er auf dich hört, hast du deinen Bruder gewonnen.“ Ich habe im Lauf meines Lebens gelernt, dass Gott klüger ist als ich. Und selbst wenn mir seine Methode gegen den Strich geht, ist es doch der beste Weg.
Vor vielen, vielen Jahren hatte ich ein Buch geschrieben. Ich war ziemlich aufgeregt, als es erscheinen sollte! Produziert wurde es von Bekannten von mir. Sie kümmerten sich um den Schriftsatz. Damals lief das alles noch ohne Computer, sondern mit der alten Methode. Es war außerdem noch ein Express-auftrag, weil eine große Konferenz anstand und die Veranstalter wollten unbedingt das Buch präsentieren, das ich geschrieben hatte. Sie fanden das Thema heraus und sagten: „Genau das braucht die Gemeinde.“
Das Buchteam riss sich fast die Beine aus, um das Buch rechtzeitig fertigzubekommen. Als ich das erste Exemplar bekam, überflog ich es und zu meinem Erstaunen hatten sie etwas geändert, ohne mich zu informieren. Es war nichts Großes; sie hatten nur eine Erklärung hinzugefügt, weil ihnen etwas, das ich geschrieben hatte, nicht klar genug erschien. Und mir platzte der Kragen! Ich ging richtig auf den verantwortlichen Mitarbeiter los: „Was soll das denn? So etwas Dummes habe ich ja noch nie gesehen! Da war keine Erklärung notwendig!“ Ich war jedenfalls unglaublich ärgerlich.
Aber der verantwortliche Mitarbeiter ging nicht herum und erzählte anderen von meiner Reaktion. Er ging nicht hin und redete mit anderen in der Branche und sagte: „Arbeitet bloß nicht mit diesem Bayless Conley zusammen. Das ist ein undankbarer Blödmann.“ Nein, das tat er nicht. Er kam persönlich zu mir. Wir gingen zusammen zu Mittag essen und er sagte: „Bayless, deine Reaktion hat mich geärgert. Wir haben Überstunden gemacht. Wir haben uns ein Bein ausgerissen. Wir haben alles Mögliche extra gemacht und du musstest nicht einmal dafür bezahlen. Und du stürzt dich auf diese eine Sache, die dir nicht gefällt und wirst so wütend und springst mir an die Kehle. Das verletzt mich.“
Als er mir das sagte, dachte ich: „O, na klar. Das stimmt. Ich bin ein Idiot.“ Und ich sagte zu ihm: „Es tut mir leid. Du hast recht. Bitte vergib mir.“ Ich weiß heute noch, wie wir in dem Restaurant saßen, unseren Eistee vor uns und ich bat um seine Vergebung. Und er vergab mir, die Sache war erledigt und unsere Beziehung wiederhergestellt. Wir blieben gute Freunde und haben über die Jahre noch oft zusammengearbeitet. Er hat genau das Richtige getan. Der Bibeltext sagt uns: „Wenn dein Bruder/deine Schwester gegen dich sündigt, dann geh zu ihm/ihr und redet unter vier Augen darüber.“

Vielleicht sagen Sie jetzt: „Was, wenn ich es unter vier Augen anspreche und der andere hört nicht zu?“
Schritt 2, Vers 16:
„Wenn er aber nicht hört, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit aus zweier oder dreier Zeugen Mund jede Sache bestätigt wird.“

Also: Nehmen Sie ein oder zwei Zeugen mit. Ein Zeuge ist jemand, der etwas gesehen hat oder etwas weiß. Vielleicht hat er die fragliche Situation mitbekommen. Vielleicht ist dem Zeugen der Konflikt aus erster Hand bekannt. Oder vielleicht hat er auch nur ein bestimmtes Verhaltensmuster bei der anderen Person bemerkt. Einen solchen Zeugen kann man mitbringen und er kann sagen: „Du kennst uns und wir kennen dich. Und diese Sache haben wir bei dir offen gesagt schon öfter beobachtet.“ Der Gedanke dahinter ist, dass nicht einfach nur wilde Behauptungen in die Welt gesetzt werden, sondern dass der Vorwurf begründet ist. Und noch einmal: Das Ziel ist nicht zu beweisen, dass man recht hat, sondern den anderen zu gewinnen und die Beziehung wiederherzustellen.
Man kann es aber auch so betrachten: Vielleicht ist es jemand, der die Situation gar nicht aus erster Hand kennen muss, aber man bringt jemanden mit, falls das Gespräch nicht gut läuft. Wenigstens kann dann der Zeuge sagen: „Ich kann bestätigen, dass das Gespräch in guter Absicht gesucht wurde. Er kam bescheiden auf den anderen zu und hat sein Problem dargelegt, ohne feindselig zu sein. Und er war nicht auf Rache aus. Aber der andere hat sich geweigert zuzuhören.“ Manchmal ist es günstig, jemanden als Zeugen bei einem Gespräch dabeizuhaben.

Als junger Christ hatte ich nicht viele christliche Freunde, jedenfalls nicht in meinem Alter. Die meisten von ihnen waren uralt. Die Christen, die ich kannte, und alle in meiner Gemeinde waren wirklich alt. Ich hatte nur wenige Freunde, die mehr in meinem Alter waren. Und es gab jemanden, dessen Freundschaft ich sehr schätzte, weil ich noch nicht lange Christ war und in meinem neuen Leben nicht viele Bezugspersonen hatte. Meine alten Freunde waren alle in Drogengeschichten oder illegale Machenschaften verwickelt und ich wusste, dass ich mich davon distanzieren musste. Nun fand ich heraus, dass mein neuer Freund mich belogen hatte, um mich zu seinem eigenen Vorteil zu manipulieren.
Ich war am Boden zerstört! Und ich sprach zwar mit dem Betreffenden, aber er war der Meinung, dass der Zweck die Mittel heiligt. Ich sagte zu ihm: „Ich kann dir nicht mehr richtig vertrauen. Ich weiß nicht, wie wir miteinander weitermachen sollen. Für dich ist das vielleicht nicht so schlimm, aber mir liegt sehr, sehr viel daran.“ Aber der andere war nicht einsichtig. Also sagte ich: „Wie wäre es, wenn wir Herrn XYZ aus der Gemeinde dazuholen? Vertraust du ihm?“ – „Ja.“ – „Okay.“ Also riefen wir den Mann an. Es war ungefähr 22:30 Uhr; er war bei der Nachtschicht in einem Gießereibetrieb. Wir sagten: „Wir möchten gern einen Termin mit Ihnen machen. Wir hatten eine Meinungsverschiedenheit und brauchen einen Schiedsrichter.“
Und er sagte: „Kommt in die Gießerei.“
Ich sagte: „Aber Sie sind bei der Arbeit. Wir können bis morgen warten.“
Er sagte: „Nein. Ich habe viele Überstunden. Mein Chef gibt mir frei.“
Wir fuhren zur Gießerei, kamen ungefähr um 23:15 Uhr dort an. Man stellte uns einen kleinen Raum zur Verfügung. Und dann erzählte ich einfach die ganze Geschichte und die andere Person schilderte ihre Seite. Ich war froh, als unser „Schiedsrichter“ sagte: „Bayless hat recht, hundertprozentig. Was du gemacht hast, war falsch.“ Aber dann sprach er über den Wert der Beziehung und sagte: „Das ist es nicht wert, dass ihr euch deswegen endgültig verkracht.“ Und er betete für uns. Wir saßen zusammen in dem kleinen Pausenraum in der Gießerei und beteten. Unser Vermittler betete so lange, bis wir unsere Beziehung geklärt hatten. Ich war froh, dass er als Dritter dabei war. Jesus sagte: „Wenn der Betreffende dich nicht anhört, dann bring noch ein oder zwei andere mit.“

Aber was, wenn Schritt 2 nicht funktioniert? Was, wenn das nicht gut ankommt? Was, wenn derjenige sich weigert, selbst wenn ein Zeuge dabei ist? Schritt 3, Vers 17:

„Wenn er aber nicht auf sie hören wird, so sage es der Gemeinde; wenn er aber auch auf die Gemeinde nicht hören wird, so sei er dir wie der Heide und der Zöllner!“
Damit ist ein korrupter Steuereintreiber gemeint.
Mit „sage es der Gemeinde“ meint Jesus hier nicht, dass man sich auf die Kanzel stellen und sagen soll: „Alle mal herhören. Joe Brown hat Max Greens Rasenmäher ausgeliehen und als er ihn zurückgegeben hat, war er kaputt und es haben Teile gefehlt und er weigert sich, dafür zu bezahlen.“ Heben Sie sich das für den Fernsehrichter auf. Jesus redet hier nicht davon, die Sache in den Gemeindebrief zu setzen oder den Betreffenden vor der Gemeinde bloßzustellen. Vielmehr sollen wir die Sache vor diejenigen bringen, die die Autorität haben, über solche Dinge zu entscheiden. Und laufen Sie mir auch nicht hinterher und sagen: „Pastor, ich …“ Wir haben Mitarbeiter, die sich solche Dinge anhören und helfen können, sie zu ordnen. Aber auch hier soll es um die Rettung der Beziehung gehen, nicht um Strafe. Sagen Sie es der Gemeinde.
Jesus sagte: „Schritt 3: Sag es der Gemeinde. Aber wenn er sich weigert, auf die Gemeinde zu hören, dann soll er für dich sein wie ein Heide und ein korrupter Steuereintreiber.“ Eine andere Übersetzung schreibt: „Behandle ihn, wie du jemanden behandeln würdest, der Gott nicht kennt.“ Manche denken jetzt sicher: „Endlich! Dieser Mensch ist wie ein Heide. Jetzt brauche ich mich nicht mehr mit ihm abzugeben.“
Ich glaube, das ist hier nicht gemeint. Wir sollen Menschen, die Jesus nicht kennen, nicht verachten. Wir sollen sie lieben und ihnen mit Gnade begegnen. Vielleicht verhält der andere sich wie jemand, der Gott nicht kennt – dann will ich versuchen, ihn durch Freundlichkeit zu gewinnen. Denn so sollen wir der Bibel nach mit Menschen umgehen, die Gott nicht kennen. Es heißt nicht: „Gott hasste die Welt so sehr, dass er sie zerstörte.“ Nein. „Gott liebte die Welt so sehr, dass er seinen einzigen Sohn gab.“
Die „Message Bible“ überträgt diesen Vers sehr frei, aber ich finde, sie trifft seinen Geist sehr gut. Dort heißt es: „Wenn er nicht auf die Gemeinde hört, musst du von vorn mit ihm anfangen. Sag ihm, dass er umkehren muss und biete ihm Gottes vergebende Liebe an. Wenn er dann immer noch stur und unnachgiebig bleibt, dann kannst du vielleicht nichts weiter für ihn tun als zu beten.“ Aber das ist keine Kleinigkeit; und darüber spricht Jesus als Nächstes. Vers 18:

„Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr etwas auf der Erde bindet, wird es im Himmel gebunden sein und wenn ihr etwas auf der Erde löst, wird es im Himmel gelöst sein.
Wiederum sage ich euch: Wenn zwei von euch auf der Erde übereinkommen, irgendeine Sache zu erbitten, so wird sie ihnen werden von meinem Vater, der in den Himmeln ist.
Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte.“
Jesus spricht hier im Zusammenhang über eine Versammlung, in der um Vergebung gebetet wird. Sie kennen nun den ganzen Prozess: unter vier Augen, mit ein oder zwei Zeugen und mit den Menschen, die in der Gemeinde dafür beauftragt sind. Dann versammeln Sie sich und beten. Beten Sie und entlassen Sie den Betreffenden aus seiner Schuld. Vergeben Sie ihm und beten Sie darum, dass derjenige sich besinnt und die Beziehung wiederhergestellt werden kann.

Jesus sagte zunächst: „Wenn ihr etwas auf der Erde löst, wird es im Himmel gelöst sein.“ Das gleiche Wort ein paar Verse später in einem Gleichnis. Ein Mann hat riesige Schulden bei einem König, die er nie wieder abzahlen kann. Und als er um Gnade bittet, was tut der König da? Er hat Erbarmen und entlässt ihn aus seiner Schuld. Das Wort für „entlassen“ ist das gleiche Wort, das hier mit „lösen“ übersetzt ist. In einer anderen Bibelübersetzung heißt es sogar: „Er löste ihn aus seiner Schuld.“ Jesus spricht hier vom Gebet der Vergebung.
Über die Jahre habe ich schon so ziemlich alles gesehen. Hin und wieder geschieht etwas Neues, aber meistens ist es nur eine neue Variante von alten Dingen. Ich kann mich an eine Situation erinnern – es war nicht das erste oder einzige Mal, dass das passierte, aber ich erinnere mich noch – in der ich im Endstadium eines Konflikts in die Situation hineingezogen wurde. Es gab eine große Meinungsverschiedenheit. Eine Partei war unnachgiebig, also wurden Zeugen dazugerufen. Das waren Menschen, die die Situation gut kannten; aber der Betreffende weigerte sich, auf sie zu hören.
Ich wusste von der Situation, aber ich kam erst dazu, als es darum ging, es vor der Gemeinde zu sagen. Doch der Betreffende wollte immer noch nicht hören. Er wurde wütend auf mich und alle anderen Beteiligten und verließ die Gemeinde voller Wut. Es trifft mich, wenn so etwas passiert. Und der Betreffende ging nicht nur selbst, sondern hinterließ einen gewissen Kollateralschaden. Einige andere Familien verließen ebenfalls die Gemeinde. Sie waren einer Lüge aufgesessen und wollten die Wahrheit nicht sehen, also gingen sie.
Wir trauerten um die zerbrochenen Beziehungen. Wir trauerten um die anderen Familien, denen man Dinge erzählt hatte, die nicht der Wahrheit entsprachen. Und wir konnten nichts weiter tun als zu beten. Also versammelten wir uns mit allen Beteiligten und vergaben der betreffenden Person. Wir baten Gott, dass er demjenigen die Augen öffnen und sie aus der Falle des Teufels retten möge, wie Paulus es an anderer Stelle sagt. Wir beteten darum, dass derjenige zur Besinnung kommt.
Und dann passierte nichts. Eine Woche, einen Monat, ein Jahr lang tat sich gar nichts. Doch Jesus sagt: „Wenn zwei von euch übereinkommen, dann wird es passieren.“ Es mag nicht so geschehen, wie wir es uns wünschen und auch nicht nach unserem Zeitplan, aber darüber sollte niemand spotten. Wenn wir uns im Gebet einig sind, geschieht etwas im Himmel.
Ungefähr drei Jahre später war ich in einem Geschäft und plötzlich stand die Person vor mir, die uns so viele Probleme gemacht hatte. Ich ging hin und sagte: „Hallo, wie geht es dir? Ich habe dich vermisst!“ Der Mann ließ den Kopf hängen und ungefähr zehn Sekunden lang war die Situation sehr unangenehm. Dann schaute er mich an und sagte: „Ich brauche Vergebung.“ Ich fragte: „Ja?“ Er sagte: „Ja. Als ich aus der Gemeinde weggegangen bin und die anderen mitgenommen habe, war ich wütend. Aber ich habe erkannt, dass ich im Unrecht war. Alles, was wir für wahr hielten, hat sich als unwahr herausgestellt. Und ich und die anderen, die ich mitgenommen habe, wir waren im Unrecht. Bitte vergib mir.“ Es war eine wunderbare Begegnung. Die Beziehung wurde wiederhergestellt. Das ist viel wert!
Nun sind diese Personen noch nicht wieder in unserer Gemeinde. Hoffentlich ist es irgendwann so weit. – Vielleicht sind auch Sie an einem Punkt, an dem Sie nur noch beten können. Unterschätzen Sie nicht, was Beten bewirkt. Jesus sagte, Gott wird eingreifen.
Und wissen Sie, es war sehr wichtig für mich und die anderen beteiligten Personen, um Vergebung zu beten. Denn wenn wir das tun, bleiben wir unter Gottes Gunst und Segen und Schutz. Doch wenn wir nachtragend sind und nicht vergeben, entfernen wir uns immer mehr von Gottes Segen und Gunst. In der Bibel heißt es, Hiob wurde gesegnet – nicht als er für sich selbst betete, sondern als er für seine Freunde betete, die ihm Unrecht getan hatten.

Vielleicht sagt jetzt jemand: „Aber was, wenn die betreffende Person nicht ihr Verhalten ändert, sondern immer wieder das Gleiche tut?“ Wissen Sie, Petrus dachte genauso. Vers 21:

„Dann trat Petrus zu ihm und sprach: Herr, wie oft soll ich meinem Bruder, der gegen mich sündigt, vergeben? Bis siebenmal?
Jesus spricht zu ihm: Ich sage dir: Nicht bis siebenmal, sondern bis siebzigmal siebenmal!“

Mit anderen Worten: Wir sollten erst gar nicht anfangen zu zählen. Wer anfängt zu zählen, hat bereits ein Problem, ein „Herzproblem“. Jesus bezieht sich mit dem, was er zu Petrus sagt, auf ein Ereignis aus dem Alten Testament. Petrus, der Jude war, wusste sicher sehr genau, worauf Jesus hier anspielte.
In 1.Mose 4 ist von einem Mann namens Lamech die Rede. Er war der erste Mann, der Gottes Prinzip der Monogamie brach. Lamech nahm sich eine weitere Frau. Er war der Erste in der Bibel, der dies tat. Der Name seiner Frau bedeutet „Schmuckstück“. Der Name seiner zweiten Frau bedeutet „Schatten“. Sie gab es gewissermaßen nur „nebenher“, im Schatten. Dieser Lamech war ein übler Kerl. In 1.Mose 4,23 prahlt er vor seinen Frauen. 1.Mose 4,23: „Und Lamech sprach zu seinen Frauen: Ada und Zilla, hört meine Stimme! Frauen Lamechs, horcht auf meine Rede! Fürwahr, einen Mann erschlug ich für meine Wunde und einen Knaben für meine Strieme. Wenn Kain siebenfach gerächt wird, so Lamech siebenundsiebzigfach.“
Darauf spielt Jesus mit seiner Aussage an. Er sagt im Grunde: „Petrus, nach dem alten Prinzip, im Alten Bund ging es um vielfache Rache. Aber ich bringe euch einen neuen Weg. Und dieser neue Weg ist vielfache Vergebung, denn Gott misst Beziehungen großen Wert bei.“

Eine wichtige Lektion, die wir nicht vergessen dürfen, ist, dass Gott gnädig mit uns umgeht. Jesus hat unsere Sünden weggewaschen. Er rechnet nicht alle unsere Fehler und Misserfolge auf. Und dann sollten wir uns darum bemühen, andere Menschen so zu lieben, wie Gott uns liebt. Ich glaube, wenn wir Gottes Barmherzigkeit uns gegenüber vergessen, können wir anderen auch nicht barmherzig begegnen. Denken Sie doch einmal daran, wie barmherzig Gott mit Ihnen umgeht. Und zeigen Sie dann anderen die gleiche Barmherzigkeit. Gott wird Sie dafür segnen.

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