Menschliche Maßstäbe und großer Glaube
Wünschst du dir einen beharrlichen Glauben, der auch dann dranbleibt, wenn eine Situation aussichtslos erscheint? Auf seine seelsorgerliche Art zeigt Bayless Conley anhand von Markus 7, wie menschliche Maßstäbe mitunter Gottes Wort ersetzen und so zu einem kraftlosen Glauben führen. Doch dieselbe Geschichte erzählt auch von einer Frau, deren beharrlicher Glaube alle Hindernisse überwindet. Lass dich durch sie neu dafür begeistern, was einen großen Glauben ausmacht und wie er in deinem Leben wachsen kann.
-
Herzlich willkommen. Ich glaube, die heutige Sendung wird dich tief berühren. Manches darin spreche ich ganz anders an als bisher. Als ich über die Bibel und über einige Aussagen von Jesus nachgedacht habe, sind mir einige neue Zusammenhänge klargeworden. Es geht um wertlose Anbetung und um eine Frau mit großem Glauben. Wenn du wissen willst, was es damit auf sich hat, bleib dran.
Hallo zusammen! Hallo auch an alle draußen auf dem Vorplatz und alle, die irgendwo zuschauen. Schön, dass ihr dabei seid. Wir beschäftigen uns mit dem Markusevangelium und lesen heute Kapitel 7. Da steckt so viel drin, dass wir gar nicht alles besprechen können. Deshalb greife ich zwei Abschnitte heraus. Kleine Warnung vorab: Wenn wir mit dem ersten Abschnitt fertig sind, treten wir auf die Bremse, reißen das Steuer herum und schlagen eine andere Richtung ein.
Markus 7, ab Vers 1:
„Einige Pharisäer und Gesetzeslehrer aus Jerusalem kamen gemeinsam zu Jesus. Sie hatten gesehen, dass seine Jünger mit unreinen, das heißt mit ungewaschenen Händen aßen. Denn die Pharisäer und alle Juden essen nichts, wenn sie sich nicht vorher in der vorgeschriebenen Weise die Hände gewaschen haben. So halten sie sich an die Überlieferungen der Alten. Auch wenn sie vom Markt kommen, essen sie nichts, ohne sich vorher einer Reinigung zu unterziehen. So befolgen sie noch eine Reihe anderer überlieferter Vorschriften über das Reinigen von Bechern, Krügen, Kupfergefäßen und Sitzpolstern. Die Pharisäer und die Gesetzeslehrer fragten ihn also: ,Warum richten deine Jünger sich nicht nach den Vorschriften, die uns von den Vorfahren überliefert sind, und essen mit ungewaschenen Händen?‘“
Es waren also nicht nur die Pharisäer. In Vers 3 heißt es, dass die Pharisäer und „alle Juden“ nicht aßen, ohne sich vorher in vorgeschriebener Weise die Hände zu waschen. Das betraf jeden; diese Vorschrift war dem ganzen Volk auferlegt worden. Mit Hygiene hatte das aber nichts zu tun. Es ging nicht darum, sich vor dem Abendessen die Hände zu waschen. Es war eine rituelle Waschung, an der man festhielt.
Das hatten alle verinnerlicht. Man vollzog diese rituelle Waschung vor dem Essen, ebenso wenn man vom Markt kam, denn dort konnte man Nichtjuden begegnet sein, die als unrein galten. Danach musste man sich rituell waschen. Aber es stand nicht in den Schriften. Es war nur eine lang gepflegte Tradition.
Traditionen können gut sein, solange sie Menschen in ihrem Gewissen nicht unfrei machen und sie die Bibel weder außer Kraft setzen noch mit ihr auf eine Stufe gestellt werden. Aber wenn menschliche Vorstellungen göttliche Autorität beanspruchen oder Gottes Autorität aufheben, haben wir ein großes Problem. Lesen wir ab Vers 6 weiter. Achtet auf das, was Jesus sagt.
„,Ihr Heuchler! Auf euch trifft genau zu, was Jesaja geweissagt hat‘, gab Jesus zur Antwort. ,So steht es nämlich geschrieben: „Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber sein Herz ist weit von mir weg. Ihr Dienst an mir ist ohne Wert, denn ihre Lehren haben sich Menschen erdacht.“’“
Jesus sagt: „Ihr Dienst an mir ist ohne Wert.“ In anderen Übersetzungen heißt es: „Vergeblich verehren sie mich.“ Oder: „Ihr ganzer Gottesdienst ist sinnlos.“ Oder in der Neues Leben Übersetzung:
„Ihre Anbetung ist nutzlos, denn sie ersetzen die Gebote Gottes durch ihre eigenen Lehren.“
Die Verse 8 bis 13:
„,Ja, ihr gebt Gottes Gebot auf und haltet dafür die Vorschriften, die sich Menschen ausgedacht haben.‘ Dann fügte Jesus hinzu: ,Sehr geschickt setzt ihr Gottes Gebot außer Kraft und haltet dafür eure eigenen Vorschriften ein. Mose hat zum Beispiel gesagt: „Ehre deinen Vater und deine Mutter!“ und: „Wer Vater oder Mutter verflucht, wird mit dem Tod bestraft!“ Ihr aber lehrt, dass man zu seinem Vater oder seiner Mutter sagen kann: „Was du von mir bekommen müsstest, habe ich als Korban, als Opfer für Gott, bestimmt.“ Auf diese Weise lasst ihr ihn nichts mehr für seine Eltern tun und setzt so Gottes Wort durch eure eigenen Vorschriften außer Kraft. Das ist nur ein Beispiel für viele.‘“
Jesus nennt hier nur ein Beispiel. Er hätte eine ganze Liste von Themen aufzählen können, bei denen sie ihre Traditionen mit den Schriften gleichgestellt hatten. Aber er greift dieses eine Gebot heraus: „Ehre deinen Vater und deine Mutter.“ Nach Aussage von Jesus gehört dazu auch, sich im Alter um sie zu kümmern. Wenn man dazu in der Lage ist, erfüllt man damit einen Teil von Gottes Gebot. Aber für Leute, denen das zu lästig war, hatten die Pharisäer ein Schlupfloch geschaffen. Sie wollten nicht für ihre Eltern sorgen und nicht ihre Mittel dafür einsetzen, sondern alles für sich behalten. Also gingen sie zum Priester, sagten einfach das Zauberwort „Korban“ und waren von ihrer Pflicht befreit: „Ich widme mein ganzes Geld und meinen gesamten Besitz Gott als Gabe.“
Jesus hätte, wie gesagt, viele Beispiele nennen können. Aber dieses traf sie mitten ins Herz. Und er macht deutlich: Immer wenn wir eine menschliche Vorstellung oder Tradition an die Stelle von Gottes Wort setzen, läuft ein Prozess in drei Schritten ab. Der erste steht in Vers 8: „Ihr gebt Gottes Gebot auf und haltet dafür die Vorschriften, die sich Menschen ausgedacht haben.“
Sie schieben Gottes Wort beiseite, um Platz für ihre Tradition zu schaffen, und stellen diese auf dieselbe Stufe, indem sie sagen: „Sie hat genauso viel Autorität wie die Schriften.“ Dann folgt zwangsläufig Schritt zwei. In Vers 9 sagt Jesus: „Ihr setzt Gottes Gebot außer Kraft und haltet dafür eure eigenen Vorschriften ein.“
Zuerst wird Gottes Wort beiseitegeschoben und die eigene Tradition ihm gleichgestellt. Dann wird Gottes Wort ganz abgelehnt, meist weil es der eigenen Tradition, den eigenen Regeln, Überzeugungen oder Vorlieben widerspricht. Und in Schritt drei, Vers 13, sagt Jesus: „Ihr setzt Gottes Wort außer Kraft.“
Es hat keine Kraft mehr, euch und diejenigen, die euch folgen, zu verändern. Das ist der Prozess: Wir heben unsere Vorstellung, Tradition oder Vorliebe auf die Ebene der Bibel und geben ihr dieselbe Autorität. Dann wird die Bibel abgelehnt. Schließlich kann sie unser Leben aufgrund unserer Haltung nicht mehr verändern.
Das gilt für jede religiöse, kulturelle, staatliche oder persönliche Vorstellung, Tradition, Regel, Überzeugung, Vorliebe oder politische Position, die wir auf eine Stufe mit der Bibel stellen oder mit der wir ihre Wahrheit umgehen.
Sobald wir das mit irgendetwas tun, setzt dieser Prozess ein. Wir schieben Gottes Gebot beiseite, um Platz für unsere Vorlieben, unsere politische Überzeugung oder Vorstellung davon zu schaffen, was richtig ist. Im zweiten Schritt wird die Bibel ganz abgelehnt. Schließlich verliert sie ihre Kraft, uns und die Menschen, die uns folgen, zu verändern. Am Ende bleibt nur leere, wertlose Anbetung – und ein Herz, das weit von Gott entfernt ist.
Jetzt kommt der Punkt, an dem wir auf die Bremse treten, das Steuer herumreißen und zu einem anderen Abschnitt in Markus 7 springen. Seid ihr bereit? Verse 24 bis 30:
„Jesus brach von dort auf und ging in die Gegend von Tyrus. Er zog sich in ein Haus zurück, weil er nicht wollte, dass jemand von seiner Anwesenheit erfuhr. Doch es ließ sich nicht verbergen, dass er da war. Schon hatte eine Frau von ihm gehört, deren kleine Tochter von einem bösen Geist besessen war. Sie kam und warf sich Jesus zu Füßen. Die Frau war eine Griechin und stammte aus dieser Gegend, dem syrischen Phönizien. Sie bat ihn, den Dämon aus ihrer Tochter auszutreiben. Aber Jesus wehrte ab: ,Zuerst müssen die Kinder satt werden. Es ist nicht recht, ihnen das Brot wegzunehmen und es den Haushunden hinzuwerfen.‘ – ,Das ist wahr, Herr‘, erwiderte sie, ,aber die Hündchen unter dem Tisch fressen doch auch die Brotkrumen, die die Kinder fallen lassen.‘ – ,Richtig‘, sagte Jesus zu ihr. ,Und wegen dieser Antwort kannst du getrost nach Hause gehen. Der Dämon hat deine Tochter verlassen.‘ Als die Frau nach Hause kam, lag das Mädchen ruhig im Bett, und der Dämon war fort.“
Ich möchte dieselbe, recht kurze Geschichte jetzt noch aus dem Matthäusevangelium lesen. Matthäus erwähnt einige Punkte, die Markus auslässt, und Markus nennt manches, das Matthäus nicht erwähnt, die aber wichtig sind. Mal sehen, ob ihr entdeckt, was Matthäus erwähnt, das Markus ausgelassen hat. Matthäus 15,21 bis 28:
„Jesus brach von dort auf und zog sich in die Gegend von Tyrus und Sidon zurück. Da kam eine Frau auf ihn zu und rief: ,Herr, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Meine Tochter wird von einem bösen Geist furchtbar gequält.‘ Es war eine Kanaaniterin aus jener Gegend. Aber Jesus gab ihr keine Antwort. Schließlich drängten ihn seine Jünger: ,Fertige sie doch ab, denn sie schreit dauernd hinter uns her!‘ Er entgegnete: ,Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.‘ Da kam die Frau näher und warf sich vor Jesus nieder. ,Herr‘, sagte sie, ,hilf mir!‘ Er entgegnete: ,Es ist nicht recht, den Kindern das Brot wegzunehmen und es den Haushunden vorzuwerfen.‘ – ,Das ist wahr, Herr‘, erwiderte sie, ,aber die Hündchen unter dem Tisch dürfen doch die Brotkrumen fressen, die ihre Herren fallen lassen.‘ Da sagte Jesus zu ihr: ,Frau, dein Vertrauen ist groß! Was du willst, soll geschehen!‘ Von diesem Augenblick an war ihre Tochter gesund.“
Die Frau ist in einer verzweifelten Lage. Menschen können sie trösten, aber nicht heilen; sie können eine Diagnose stellen, aber keine Befreiung bringen. Auch heute sind Menschen hier, die auf ähnliche Weise in Not sind. Vielleicht betrifft es auch einen geliebten Menschen wie in der Geschichte, vielleicht eure Finanzen oder eure Gesundheit. Wenn Gott nicht eingreift, seid ihr verloren.
Wir wollen der Frage nachgehen: Was tat diese Frau, um ihre Antwort zu bekommen? Manche würden sofort sagen: „Sie hat gar nichts getan. Das war eindeutig Gottes souveränes Eingreifen.“ Dem würde ich widersprechen – und ich glaube, die Bibel ebenfalls.
Im Markusevangelium lesen wir, dass Jesus verborgen bleiben wollte. Niemand sollte wissen, wo er war – auch diese Frau nicht. Doch sie fand ihn. Sie stellte Nachforschungen an. Ähnlich war es bei der Frau mit den Blutungen: Jesus hatte auch dort nicht damit gerechnet. Er drehte sich um und sagte: „Wer hat mich berührt? Ich habe gespürt, dass Kraft von mir ausgegangen ist. Wer war das?“ Diese Frau wurde selbst aktiv, genau wie die Frau mit den Blutungen.
Sehen wir uns ganz kurz sechs Dinge an, die sie tat und über die wir gründlich nachdenken sollten. Erstens: Sie hörte von Jesus. Das steht in Markus 7,25. Als sie hörte, kam Glaube in ihr Herz. In Römer 10,14 wird gefragt:
„… wie können sie an ihn glauben, wenn sie nie von ihm gehört haben?“
In Vers 17 desselben Kapitels steht:
„Und doch kommt der Glaube durch das Hören dieser Botschaft, die Botschaft aber kommt von Christus.“
Eine andere Übersetzung sagt: „Glaube wird durch Hören geweckt.“ Eine weitere: „Glaube wird lebendig, wenn man Gottes Wort hört.“ Es ist also wichtig, was wir hören. Es ist wichtig, was du hörst. Zweifellos hatte diese Frau von einem mitfühlenden Mann gehört, der Wunder tat und Menschen heilte. Daraus schloss sie, dass er tatsächlich der jüdische Messias war. Sie nannte ihn Herr und Sohn Davids. Lesen wir dazu Galater 3,5. Dort werden gleich zwei Fragen gestellt:
„Ich frage euch noch einmal: Schenkt Gott euch den Heiligen Geist und wirkt Wunder unter euch, weil ihr das Gesetz Moses befolgt? Oder tut er es, weil ihr die Botschaft glaubt, die ihr über Christus gehört habt?“
Wir müssen hinhören. Ich glaube, für manche wird zu schnell gebetet. Wir wollen einfach für jemanden beten und lesen ihm vielleicht danach noch einen Bibelvers vor. Aber so zeigt es uns die Bibel nicht. Überall, wo Jesus hinkam, in jeder Synagoge, in jedem Dorf, lehrte und predigte er zuerst und heilte erst dann.
Zuerst mussten die Menschen hören. In der Bibel lesen wir sogar: „Sie kamen, um ihn zu hören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden.“ Jesus brachte immer zuerst das Wort. Es gab Ausnahmen, aber wir sollten uns an die Regel halten, nicht an die Ausnahmen.
Nimm die Hand von Jesus und lass dich von ihm durch die Evangelien führen. Sag: ‚Herr, zeig mir, wer du bist. Offenbare dich mir.“ Lies die Texte betend und ganz in Ruhe. Dann geh mit ihm durch die Apostelgeschichte. Denk dran: Er ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit. Und dann warte ab, ob dein Glaube nicht neuen Auftrieb bekommt.
Die Frau hörte. Zweitens: Sie kam. Und das war nicht leicht; es gab Hindernisse. Zunächst einmal musste sie eine gewisse Strecke zurücklegen und Jesus überhaupt finden. Jesus wollte verborgen bleiben, niemand sollte wissen, wo er war. Sie musste also einiges unternehmen, um ihn aufzuspüren. Dazu kam: Sie kam als Frau und obendrein als Nichtjüdin zu einer Gruppe jüdischer Männer. Trotzdem ist sie gekommen. Glaube wird durch Hören geweckt und durch Handeln freigesetzt.
Als die Frau von diesem Wundertäter hörte, hätte sie auch sagen können: „Käme er doch nur zu uns – dann würde meine Tochter bestimmt gesund werden.“ Zu viele Leute sagen: „Wenn der Herr es will, wird es geschehen.“ Nicht unbedingt. Wir müssen auch aufstehen und losgehen. Mach deinem Glauben Beine! In Jakobus 2,17 heißt es: „Glaube, der nicht zu Taten führt, ist tot.“
Drittens formulierte die Frau eine konkrete Bitte: „Treibe den Dämon aus meiner Tochter aus.“ Sie sagte nicht einfach: „Herr, ich brauche deinen Segen“. Sie ließ ihre Bitte nicht vage oder unausgesprochen. Der Blinde rief: „Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!“ Jeder in der Menge wusste, was er wollte. Jesus wusste, was er wollte und brauchte. Trotzdem blieb Jesus stehen und fragte: „Was soll ich für dich tun?“ Es war doch offensichtlich. Warum diese Frage? Jesus wollte, dass der Mann konkret wurde. Glaube ist konkret.
Viertens war diese Frau hartnäckig. Manche Hindernisse auf ihrem Weg zu Jesus haben wir schon erwähnt, aber es kamen noch weitere hinzu. Sie rief ihm zu, aber es heißt: „Jesus antwortete ihr nicht – er sagte kein Wort.“ Manche beten, der Himmel schweigt – und sie geben auf. Diese Frau nicht. Sie folgte ihnen und rief weiter. Jesus schwieg, und seine Jünger drängten ihn sogar, sie wegzuschicken. In dieser ganzen Situation gab es für die Frau nichts Ermutigendes.
Als Jesus schließlich mit ihr spricht, klingt es noch entmutigender: „Ich bin nicht zu dir gesandt. Dir jetzt zu helfen, gehört nicht zu meiner Aufgabe. Zuerst müssen die Kinder Israels satt werden. Das ist jetzt meine Aufgabe. Du gehörst nicht dazu.“ Aber sie gibt nicht auf: „Herr, hilf mir. Tu es trotzdem.“
Jesus fährt fort: „Es ist nicht recht, den Kindern das Essen wegzunehmen“ – dann vergleicht er sie mit einem Hund – „und es den Hunden vorzuwerfen.“ Was für Hindernisse, was für eine Entmutigung! Der Sohn Gottes sagt ihr: „Du gehörst nicht zu meinen Aufgaben.“ Aber sie bleibt dran: „Herr, selbst die Hunde bekommen doch die Krümel unter dem Tisch.“ Und Jesus antwortet: „Frau, dein Glaube ist groß. Deine Bitte soll erfüllt werden. Deine Tochter ist frei.“
Das begeistert mich. Es erinnert mich an die vier Männer, die ihren gelähmten Freund auf einer Trage zu Jesus brachten. Jesus hielt sich in einem Haus auf, aber das war voll. Pharisäer und Gesetzeslehrer aus Judäa, Galiläa und Jerusalem waren da. Vor der Tür hatten die Esel jeden Parkplatz belegt. Niemand kam mehr hinein. Draußen drängten sich schon die Leute – und dann kommen diese Männer an.
Wir lesen, dass sie keinen Weg finden, ihren Freund hineinzubringen. Sie probieren alles. Durch die Haustür? Keine Chance. Also hinten herum – mit dem Mann auf der Trage. Auch da kommen sie nicht rein. Vielleicht gibt‘s eine Seitentür? Nein. Also wieder nach vorn: „Leute, es ist ernst. Bitte lasst uns durch. Wir müssen ihn zu Jesus bringen.“ Aber alle sagen: „Meinen Platz gebe ich nicht auf, da hättet ihr früher kommen sollen. So etwas muss man eben planen.“
Sie drehen ihnen einfach den Rücken zu. Und was machen die vier? Sie steigen aufs Dach, decken bei einem fremden Haus die Ziegel ab und lassen ihren Freund direkt vor Jesus hinunter – und Jesus erkennt ihren Glauben. Begeistert dich das nicht? Sie haben Ausdauer. Echter Glaube ist hartnäckig, er gibt nicht auf. Sie hätten auch sagen können: „Wenn Gott es gewollt hätte, wäre die Tür aufgegangen und wir hätten vorne einen Platz bekommen. Es wäre nicht alles so schwierig gewesen.“ Wir hätten weder die Geschichte dieser nicht-jüdischen Frau noch die von den vier Freunden, wenn Glaube nicht manchmal extrem ausdauernd sein müsste.
Fünftens betete die Frau ihn an. Sie fiel vor ihm nieder und betete ihn an. Wahrscheinlich war für sie gerade die ganze Welt zusammengebrochen – und nun sagte der Einzige, der ihr helfen konnte, dass seine Aufgabe jetzt den Juden galt und nicht ihr. Wenn du nicht verstehst, was gerade geschieht, dann bete Gott an.
Wenn es scheint, als wäre der Himmel aus Stahl und mit einem Vorhängeschloss verriegelt, heb die Hände, geh im Zimmer auf und ab und bete Gott laut an. Wenn Dunkelheit und Schwere wie ein Leichentuch auf dir liegen, heb die Hände und bete ihn an. Bete ihn an. Bete ihn immer weiter an.
Sechstens und letztens nahm sie Jesus beim Wort. In Markus 7,29 sagte Jesus:
„… geh hin! Der Dämon ist aus deiner Tochter ausgefahren.“
Als Jesus ihr sein Wort gegeben hatte, reichte ihr das und sie ging – ohne sichtbaren Beweis. Sein Wort allein genügte ihr. Im Grunde sagte sie: „Herr, du hast es gesagt. Das reicht. Mehr brauche ich nicht.“ Und sie ging nach Hause. Dort sah sie, dass der Dämon ihre Tochter verlassen hatte; das Mädchen lag im Bett.
Vor vielen Jahren – 1980, vielleicht Ende 1979 – lebte ich in Oklahoma. Zwei Freunde kamen zu Besuch: der Pastor einer kleinen Gemeinde und ein Mann aus seiner Gemeinde. Sie blieben ein paar Tage. Ich weiß nicht mehr, was wir alles unternommen haben, aber am zweiten Tag waren wir lange unterwegs und beschlossen, abends noch in eine Spätvorstellung zu gehen. Kurz vorher klingelte das Telefon. Damals gab es natürlich nur Festnetz. Ich erkannte die Stimme, denn ich hatte den Mann schon einmal kennengelernt. Er war Ältester in der Gemeinde des Pastors. Ich sagte: „Pastor, das ist Soundso, einer deiner Ältesten.“
Er meldete sich am Telefon, während wir auf der anderen Seite im Zimmer standen. Wir merkten sofort: Es ist ernst. Der Pastor legte auf und sagte: „Meine Frau ist im Krankenhaus. Sie war plötzlich von der Hüfte abwärts gelähmt. Der Arzt meint, sie habe entweder MS oder einen Hirntumor. Sie liegt im Krankenhaus und schläft gerade. Jungs, wir müssen beten.“ Wir sagten: „Klar.“ Ich weiß heute noch genau, wo wir in meiner Wohnung standen. Wir nahmen uns an den Händen und begannen zu beten.
Wir stützten uns auf Matthäus 18, die Verse 19 und 20: „Wenn zwei von euch hier auf der Erde darin eins werden, eine Bitte an Gott zu richten, dann wird mein Vater im Himmel diese Bitte erfüllen. Denn wo zwei oder drei zusammenkommen, die zu mir gehören, bin ich mitten unter ihnen.“ Das waren unsere Verse. Und wir beteten. Ich weiß noch, wie eindringlich ich betete und ich kann noch fast Wort für Wort sagen, was dieser Pastor betete. Es war ein kurzes, schlichtes Gebet.
Er sagte: „Vater, ich weiß, dass du mich liebst, und ich bitte dich, dich um meine Frau zu kümmern. Im Namen von Jesus. Amen.“ Das war alles. Ich war etwas überrascht. Wir ließen einander los und ich fragte: „Okay, und jetzt?“ Ich dachte, er würde sagen: „Jungs, jetzt ziehen wir in den Kampf! Wir beten die ganze Nacht, laufen hier auf und ab, beten im Geist, beten in Sprachen, beten Gott an. Heute Nacht wird nicht geschlafen. Wir laufen auf und ab und beten.“
Er fragte: „Wann fing der Film noch mal an?“ Ich sagte überrascht: „Wie bitte?“ Er meinte: „Wir schaffen es noch ins Kino.“ Ich sagte: „Du hast gerade erfahren, dass deine Frau MS oder einen Hirntumor hat.“ Ich werde nie vergessen, wie er daraufhin sagte: „Bayless, ich kann jetzt nicht zu ihr. Wir sind in Oklahoma. Aus diesem Kaff geht um diese Uhrzeit kein Flug. Wenn ich sie trösten könnte, würde ich es tun. Aber ich kann nichts machen. Wir haben gebetet. Gott hat unser Gebet gehört. Gehen wir ins Kino.“ – „Okay.“
Ich habe vom Film kaum etwas mitbekommen. In meinem Kopf ging alles drunter und drüber. Ich saß da und dachte nur: ‚Was zum Henker?‘ Dann ging mir da im Kino plötzlich ein Licht auf. Ich dachte: ,Dieser Mann glaubt wirklich, dass Gott unsere Gebete gehört hat! Er ist wie jemand aus der Bibel. Wenn Gott uns gehört und erhört hat und sich um seine Frau kümmert, gibt es nichts mehr zu tun.‘ Das hat mich verändert. Wirklich verändert.
Die Frau in der Geschichte ließ sich ebenfalls nicht aufhalten. Als er ihr schließlich sein Wort gab, war die Sache für sie klar: „Mehr brauche ich nicht.“ Sie ging und glaubte, was er gesagt hatte.Ich liebe die Geschichte dieser Frau. Sobald Jesus ihr sein Wort gegeben hatte, war die Sache für sie entschieden. Das erinnert mich an den königlichen Beamten, dessen Sohn krank war. Jesus sagte: „Geh nach Hause. Dein Sohn lebt.“ Und der Beamte ging – voller Glauben, ohne jeden Beweis. Unterwegs kamen ihm Leute aus seinem Haus entgegen. Er fragte, wann es seinem Sohn besser gegangen war, und erfuhr: genau zu der Stunde, als Jesus gesagt hatte: „Dein Sohn lebt.“ Auch er hatte nur das Wort. Mancher sagt vielleicht: „Wenn Jesus mir etwas sagen würde, würde mir das auch reichen.“ Aber er hat ja zu uns gesprochen und uns sein Wort gegeben. Die Bibel sagt: Das geschriebene Wort Gottes ist verlässlicher, als wenn ein Engel erscheint und uns ein Wort von Gott gibt. Auf Gottes Wort kannst du dich verlassen. Himmel und Erde werden vergehen; sein Wort nicht.
-
Verpasse keine Sendung
Unser Service für dich: Wir schicken dir jede Woche eine E-Mail mit dem Link zur aktuellen Sendung.
Bring mit uns Hoffnung in die Wohnzimmer der Menschen!
Gerade in unsicheren Zeiten empfinden wir es als große Chance, Menschen durch Gottes Wort neue Zuversicht zu geben.
Hol dir das Skript zur Predigt
Falls du außerdem regelmäßige Impulse von Bayless erhalten möchtest, gib hier bitte deine E-Mailadresse an. Aus technischen Gründen ist die Angabe auch nötig, wenn du nur das Skript möchtest.
Schreiben Sie einen Kommentar